Online- vs. Printjournalismus
Ich habe eine schlechte Angewohnheit: Zu Beiträgen in anderen Blogs schreibe ich Kommentare in Artikellänge, während ich mein eigenes Blog vernachlässige…
Beim Stöbern in den WordPress-Charts habe ich zwischen „18000 mal Hoffnung“, „Frau Antonmann“, „frau rieke“ und „Ami“ tatsächlich auch mal wieder etwas Interessantes gefunden:
Maschinenstürmer: Über die befreiende Kraft des Onlinejournalismus
auf dem „Wissenswertes Blog“.
Mein Kommentar dazu:
Ein Aspekt des Onlinejournalismus fehlt mir hier ein wenig: Die potenzielle Fluidität der Inhalte.
Ein gedruckter Artikel liegt in dieser Form unveränderbar vor, zum Guten wie zum Schlechten. Ein Internetartikel hingegen kann nach seiner Veröffentlichung beliebig oft modifiziert werden – ein Vorteil, weil man Fehler korrigieren kann, aber auch ein Nachteil, weil getroffene Aussagen ohne Hinweis darauf verändert oder entfernt werden können.
Das ist insbesondere dann problematisch, wenn sich ein anderer Autor darauf beziehen will: Bei gedruckten Texten kann man davon ausgehen, dass sie genau das enthalten, was man darin gelesen hat, und ein Verweis auf die Publikation genügt, um den Text eindeutig zu identifizieren.
Bei Internetpublikationen hingegen genügt eine Verlinkung nicht. Inhalte können sich ändern oder verschwinden. Man müsste also komplett zitieren, was umständlich und sogar unhöflich sein kann (möglicherweise sogar rechtlich problematisch, selbst wenn man die Quelle klar angibt – wer kennt sich da aus?), und außerdem gibt es natürlich keine Garantie dafür, dass man korrekt zitiert – bei Quellenangaben in Printmedien ist es immer eine gute Idee, sich den Originaltext selbst noch einmal vorzunehmen, wenn man sich der Authentizität des Zitierten gewiss sein will. Hier ist das nicht möglich, selbst wenn der Originaltext unverändert geblieben ist, da man ebendies nicht sicher wissen kann.
Natürlich wäre es wohl technisch machbar, Internetinhalte in einer Form aufzubewahren, die mit Hilfe eines Zertifikats garantiert, dass sie unverändert geblieben sind. Aber besteht daran wirklich ein ausreichendes Interesse, dass sich eine solche Technik als allgemeine Praxis durchsetzen könnte? So lange eine Stabilität ihrer Inhalte nicht garantiert ist, sind Onlinemedien jedenfalls zwar nicht minderwertig gegenüber Printmedien (da sie natürlich, wie hier auch angesprochen, über eigene Vorzüge verfügen) aber doch mit einer signifikanten Schwäche behaftet, welche ihre Seriosität in Mitleidenschaft zieht.
Kategorien: Medien
Mit Tag(s) versehen: Onlinejournalismus, Printmedien, Quellenangaben, Seriosität, Veränderungen, Wissenswertes Blog, zitieren
1 Antwort bis hierher ↓
Udo // November 20, 2008 um 2:57 |
Bei uns an der Uni wird es so gehandhabt, dass man – wenn man aus einem Online-Artikel zitiert – auch immer angeben muss, wann man zuletzt darauf nachgesehen hat, ob „noch alles da ist“. Dass ist zwar keine perfekte Lösung, kann aber dennoch helfen.