Borat

Posted on Dezember 14, 2006


Nach all der Aufregung um diesen Film war mir klar, dass ich ihn unbedingt sehen musste, und gestern bin ich endlich dazu gekommen.

Wie nicht anders zu erwarten, wurde ich mit Nachdruck auf die Absurditäten menschlichen Denkens hingewiesen…

Da haben also zwei College-Studenten die Macher des Films verklagt, weil sie (was ihnen bekannt war) gefilmt wurden, wie sie sich betranken, wie sie es häufiger tun, und dabei Dinge sagten, die sie nun einmal sagen, wenn sie sich betrinken, weil sie diese Dinge eben denken?

Sie hätten nicht gewusst, wofür diese Filmaufnahmen bestimmt gewesen seien? Arme dumme College-Studenten, sie waren offensichtlich zur Veröffentlichung bestimmt, weswegen hätte man sie sonst machen sollen? Vielleicht musste ja erst die ganze Welt über sie lachen, bis sie bemerkten, wie dumm und peinlich sie sich mit ihren rassistischen und sexistischen Haßparolen doch benahmen. Dafür sollten sie dem Filmteam eher dankbar sein!

Und die Bewohner des rumänischen Sinti- oder Romadorfes, in dem gedreht wurde: Sie haben zwar gewusst, dass in ihrem Dorf ein Film gedreht wurde. Ihnen war ja wohl auch klar, dass die Filmdarsteller sich höchst merkwürdig und lächerlich verhielten. Jetzt auf einmal haben sie aber erst gemerkt, dass dadurch auch sie – zumindest in der Fiktion des Films – höchst merkwürdig und lächerlich erschienen?

Ich glaube, was diese College-Boys und die Dorfbewohner WIRKLICH erst später bemerkt haben, beziehungsweise worauf sie durch gewitzte Anwälte mit der Nase gestoßen wurden ist, wie viel Geld in diesem Film steckt! Und davon will man natürlich etwas abhaben. Heuchlerische Empörung über die realsatirischen Elemente des Films dient da als willkommener Vorwand.

Und diese dumme, heuchlerische Empörung ist ja keineswegs nur finanziell motiviert! Da haben sich also kasachische Staatsbürger über die Darstellung ihres Landes echauffiert. Womöglich befürchteten sie, dass in einem Film, in dem ständig und mit Nachdruck Rassismus, Sexismus, Vorurteile und Intoleranz angeprangert werden, der Zuschauer das in einem Maße, welches man nur noch mit „cartoonhaft“ beschreiben kann, ins Lächerliche überzeichnete Bild Kasachstans für bare Münze nimmt! Nun, wenn diese Menschen so dumm sind, warum nicht auch die Filmzuschauer?

Es war auch zu lesen, dass den Filmemachern Antisemitismus vorgeworfen wurde. Nicht nur, dass auch dieser Vorwurf in einem Film, welcher Rassismus so sehr geißelt wie kaum jemals eine andere Produktion, bereits offenkundig absurd ist; nicht nur, dass die einzigen beiden realen jüdischen Menschen, die im Film vorkamen, mit Abstand die positivsten und sympathischsten Charaktere waren; auch der Boratdarsteller Sacha Baron Cohen, dessen schräge Ideen dieser Film verwirklicht, ist praktizierender Jude.

Bleibt nur das Fazit: Borat ist wieder einmal ein strahlendes Beispiel dafür, dass Menschen sich weniger über unerträgliche Zustände aufregen, als vielmehr über diejenigen, welche diese Zustände thematisieren.

Advertisements
Verschlagwortet: ,