Smileys

Posted on Januar 23, 2007


Ich habe beschlossen, vom heutigen Tag an auf Smileys in meinen Forenbeiträgen weitestgehend zu verzichten.

Ich MAG die Dinger. Ich empfand ihre ersten Gehversuche, als sie schlicht Aneinanderreihungen von Zeichen waren, die durch Schieflegen des Kopfes mit etwas Phantasie als Gesichter mit bestimmten Ausdrücken interpretiert werden konnten, als kreativ und witzig. Aber auch die moderne Smiley-Bevölkerung enthält zahlreiche Exemplare, die mich erheblich amüsieren.

Was mich an ihnen stört ist, dass wir durch sie beginnen, unser Leseverständnis zu verlernen.

Smileys sind heutzutage allgegenwärtig in Foren und Kommentarthreads. Viele Poster scheinen der Ansicht zu sein, dass ein Post ohne Smileys nicht vollständig ist! Smileys machen Posts bunter, lebendiger, freundlicher.

Unterdessen ist es allerdings offensichtlich schon so weit, dass sie geradezu VERLANGT werden, mehr noch als Satzzeichen oder Groß- und Kleinschreibung!

Der Hauptnutzen von Smileys ist der, dass sie Informationen auf Ebenen vermitteln, die bei schriftlicher Kommunikation ansonsten nicht zur Verfügung stünden – Gestik, Mimik, Tonfall. Das ist natürlich praktisch.

Andererseits lese ich zuletzt immer häufiger, dass manche Aussagen ohne Smileys nicht verständlich seien! Insbesondere habe ich schon mehrfach gefunden, dass ein Post ja gar nicht ironisch gewesen sein KÖNNE, weil da die Smileys fehlten, oder wenigstens Ironie-Tags ([ironie][/ironie])!

Solche Aussagen sind Blödsinn und ein Zeichen der Verblödung unserer Gesellschaft. Schriftliche Kommunikation ist weit, weit älter als das Internet. Aussagen, die sich mit Hilfe von Smileys transportieren lassen, ließen sich früher auch ohne sie darstellen und tun es auch heute. Ja, manche extremen Formulierungen verlangen nach Smileys, um nicht missverständlich zu sein! Genau so wie es im RL einen entscheidenden Unterschied macht, ob man zu seinem Spielpartner, der gerade mit einem unerwarteten Trick gewonnen hat, mit einem Grinsen oder mit wütendem Gesicht sagt: „Du bist ein hinterfotziges Arschloch!“, ist auch im Internet der angehängte Smiley ein notwendiger Indikator dafür, dass man nicht wirklich wütend ist.

Solche speziellen Formulierungen, wenn man sie denn benutzen will, verlangen den Gebrauch von Smileys. Aussagen hingegen lassen sich immer auch in eindeutiger Weise ohne die Hilfe von Grafiken formulieren! Das Problem ist, dass die Kunst der exakten Formulierung langsam verloren geht, noch schneller jedoch die Kunst, subtile Bedeutungen zu erfassen.

Smileys werden heutzutage im Internet als kommunikative Krücke benutzt. Anstatt sich Mühe zu geben, durch seine Formulierung deutlich zu machen, dass man etwas witzig oder ironisch meint, schreibt man einfach, was einem in den Sinn kommt und setzt einen Smiley dahinter. Umgekehrt zählen viele Leser, die einschätzen wollen, wie eine Aussage gemeint ist, einfach die darin eingefügten Smileys, anstatt sich mit dem Geschriebenen intensiv auseinanderzusetzen.

Seid Ihr Karneval-Fans? Eure Antwort wird vermutlich unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wo Ihr lebt. Wie auch immer, Ihr kennt gewiss diese Büttenreden, in denen jede Pointe von einem dreifachen kurzen Tusch gekennzeichnet wird. Ist das nicht furchtbar?

Seht Ihr Euch Comedy-Serien an? Habt Ihr Euch bereits an die eingeblendeten Lacher gewöhnt, die dem Zuschauer klar machen sollen, dass gerade etwas Witziges gesagt wurde? Ich nicht.

Smileys besitzen das Potenzial, unsere Kommunikation miteinander zu bereichern. Gleichzeitig bergen sie aber auch die Gefahr, sie verarmen zu lassen. Das ist nicht anders als bei elektronischer Musik: Die Technik gibt uns mehr Möglichkeiten, Klänge zu erzeugen. Gleichzeitig erfordert sie aber weniger Talent für die Produktion von Musikstücken und schaltet unsere Hörgewohnheiten gleich.

Ich werde in Zukunft sehr genau darauf achten, wann Smileys meine Beiträge wirklich bereichern, und wann sie nur eine Interpretationshilfe für Leser darstellen, die meine Aussage erraten wollen, ohne sie wirklich gelesen zu haben. Im letzteren Fall werde ich sie weglassen. Ich BIN in der Lage, mich verständlich auszudrücken. Wer mich nicht ohne visuelle Prothesen versteht, muss eben lernen, wieder genauer hinzulesen!

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