Allohoool… hilft!!!

Posted on Februar 16, 2007


Wer hat es nicht schon einmal gehört, dass ein angetrunkener Mitbürger behauptet hat, mit ein bisschen Alkohol im Blut fahre er besser als nüchtern? (Ich hoffe, Ihr habt ihm die Wagenschlüssel weggenommen oder seid zumindest nicht eingestiegen!)

Ich habe mir gerade zwei Gläschen Cola-Rum genehmigt (mhm – lecker!) und dann den plötzlichen Entschluss gefasst – nein, keine Angst, nicht Auto zu fahren! – ein paar Spiele Froggerchallenge zu spielen (ich LIEBE dieses Spiel!)

Was soll ich sagen: Ich habe besser gespielt als nüchtern!

Gut, nun bin ich sicherlich nicht volltrunken (dazu neige ich eh nicht), aber auf jeden Fall angeheitert genug, dass ich einen Unterschied deutlich merke (und das ist ein klares Zeichen!) Wie kommt es, dass mir dieses Spiel plötzlich leichter fällt (ein Effekt, den ich übrigens nicht zum ersten Mal beobachte)?

Bei diesem Jump-and-Run aus der Vogelperspektive muss man innerhalb von Sekundenbruchteilen taktische Entscheidungen treffen (insbesondere, wenn man versucht, einen guten Score zu erzielen und sich deshalb sehr beeilt). Grundlage dafür ist es, große Teile des Bildschirms und die Objekte, welche sich darin bewegen, im Auge zu behalten. Eine typische Situation wirft folgende Fragen auf:

Kann ich diesen Baumstamm rechtzeitig erreichen? Auf welchem Weg? Und ist es eine gute Idee, auf ihn zu springen, oder saufe ich dort nur ab, weil mir keine Absprungmöglichkeit mehr gegeben ist?

Dieses kleine, harmlose Flash-Spielchen erfordert es, innerhalb von vielleicht einer Fünftelsekunde eine Situation mit einem halben Dutzend beweglicher Objekte zu analysieren, WÄHREND man mit exaktem Timing zwischen den Hindernissen herumspringt. Das ist nicht besonders einfach, aber mit etwas Übung bekommt man den Dreh langsam heraus. Trotzdem zögere ich oft zu lange und verpasse gute Gelegenheiten, schneller ins Ziel zu kommen.

Angetrunken zögere ich nicht. Ich MACHE es einfach. Irgendwo in der Gedankenkette „Was ist mein Ziel? Kann ich es erreichen? Wie kann ich es erreichen? Bringt es mir etwas, es zu erreichen? Gehe ich ein Risiko ein? Wie groß ist dieses Risiko? Lohnt sich das Risiko? Mache ich es jetzt also?)“ fällt der eine oder andere Schritt weg.

Ab und zu stirbt der Frosch dabei allerdings einen tragischen, vermeidbaren Tod, weil ich einen Denkschritt auslasse, der WICHTIG war, und deswegen in ein Auto hüpfe oder auf einem Baumstamm ende, der ins Nichts treibt. Im Schnitt lohnt es sich aber: Ich ergreife Gelegenheiten, bei denen ich nüchtern einen Lidschlag zu lange zögere, und erziele neue Rekorde.

Ich weiß nicht, ob ich diese Erkenntnis eins zu eins aufs Autofahren übertragen kann. Wenn ja, bedeutet sie: Ich FAHRE angetrunken besser Auto – 90% der Zeit jedenfalls. In den restlichen 10% habe ich leider einen Blackout und teste die Standfestigkeit eines Baumes am Straßenrand.

Okay, im Straßenverkehr ist Alkohol wohl doch keine so gute Idee. Andererseits hilft mir diese Einsicht etwas besser zu verstehen, warum in Bars, auf Parties und zu anderen Gelegenheiten, bei denen sich Menschen näher kennenlernen sollen, immer Alkohol am Start ist. Wie gründlich eine Anmache floppt (‚tschuldigung, Freddy!) ist schließlich egal, solange sich nur die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht. Und zu viel Denken steht der Entwicklung von Intimität bekanntlich auch nur im Weg.

Advertisements