Das größte moderne Tabu: Pädophilie

Posted on Juli 27, 2007


Bevor ich zum eigentlichen Inhalt dieses Eintrags gelange, muss ich einige Dinge vorschieben:

1. Ich besitze und besaß niemals irgendwelche pädophilen Neigungen und habe niemals Handlungen durchgeführt, pornografische Produkte konsumiert oder Phantasien gehabt, welche in irgendeiner Weise mit pädophilen Neigungen in Verbindung stehen. Ich rufe nicht dazu auf, solche Handlungen oder den Konsum entsprechender Pornografie zu vollziehen oder zu tolerieren.

2. Obwohl ich prinzipiell der Ansicht bin, dass meine sexuellen Präferenzen meine absolute Privatsache sind und niemanden etwas angehen, sofern ich sie nicht selbst thematisiere, ist der gesellschaftliche Druck beim Thema Pädophilie dermaßen massiv, dass ich mich gezwungen sehe, diese eindeutige Aussage zu treffen: Ich besitze keinerlei Interesse an sexuellen Handlungen mit Kindern, weder aktiv noch als Beobachter.

Ob ich in einer festen Beziehung lebe, in einer offenen oder in wechselnden, oder ob ich Single bin; ob für mich nur die Missionarsstellung in abgedunkelten Räumen in Frage kommt, ich jede Nacht das Kamasutra durchprobiere oder vor laufender Kamera mit Lack, Leder, Peitschen und Handschellen zu Werke gehe; ob ich Männer oder Frauen oder beides mag oder es mir sogar abends mit meinem Schäferhund gemütlich mache: All diese Dinge gehen niemanden etwas an. Wenn ich von achtjährigen Knaben träumte und FKK-Zeitschriften mit Bildern von nackten kleinen Jungs und Mädels sammelte, ginge das eigentlich auch niemanden etwas an, aber bereits ein bloßer Verdacht in diese Richtung bedeutet in unserer Gesellschaft ein dermaßenes soziales Stigma, dass ich mich schlicht nicht traue, hier die meiner Ansicht nach prinzipiell gebotene Zurückhaltung bezüglich meiner sexuellen Neigungen konsequent zu verfolgen, und mich deswegen eindeutig äußere.

3. Ich weiß leider nur zu gut, wie das Prinzip übler Nachrede und sinnentstellender Wiedergabe von Äußerungen funktioniert. Ich werde in Folge dieses Blogeintrages beides nicht tolerieren. Kommentare zu diesem Thema hier werden rigoros moderiert: Wenn sie nicht sachlich gehalten und inhaltlich korrekt sind und insbesondere, wenn Aussagen von mir falsch wiedergegeben werden (ein beliebtes Spielchen, das ich aus meiner Frühzeit als Magicartikelschreiber noch gut in Erinnerung habe), werde ich sie löschen. (Das gilt auch für sämtliche Kommentare, die Links zu nicht eindeutig unbedenklichen Seiten enthalten! Aus Gründen des Selbstschutzes werde ich hier im Zweifelsfall immer löschen.) Wenn ich irgendwo anders Aussagen vorfinde, welche in die Richtung gehen „Pischner ist pädophil“, werde ich deren Urheber wegen übler Nachrede / Verleumdung verklagen. Hier gibt es keinen Spielraum für schlechte Witze, und es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen der Ausübung der Meinungsfreiheit, für die ich kämpfe und der Aufstellung solcher Behauptungen! Dieses Thema ist zu heikel, als dass ich hier irgendwelche Ambivalenzen zulassen dürfte, und ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob ich es überhaupt wagen kann, es anzusprechen. Genau darum geht es mir allerdings auch!

Zunächst einmal eine Definition, damit klar ist, wovon hier überhaupt die Rede ist. Wikipedia schreibt Folgendes:

Pädophilie (von griechisch παις (pais) „Knabe, Kind“ und φιλια (philia) „Freundschaft“) nennt man die primäre erotisch-sexuelle Neigung Erwachsener zu Personen vor der Geschlechtsreife (im folgenden „Kinder“ genannt). Das Wort „Pädosexualität“ wird oft synonym zu Pädophilie verwendet.

(Wem Wikipedia als Quelle nicht seriös genug ist, der findet durch Verlinkungen von dieser Seite zahlreiche Möglichkeiten, sich mit der Thematik fundierter auseinanderzusetzen. Ich denke allerdings, man kann davon ausgehen, dass gerade DIESER Eintrag unter ganz besonders genauer Beobachtung steht.)

Zwei weitere Abschnitte dieses Eintrags will ich noch zitieren. Einmal die klare Eingrenzung dieses Begriffs:

* Das sexuelle Interesse gilt Kindern, die sich vor oder am Beginn der Pubertät befinden
* Das sexuelle Interesse ist dabei primär, das heißt ausschließlich bzw. überwiegend und ursprünglich auf Kinder ausgerichtet
* Das sexuelle Interesse ist zeitlich überdauernd

Zum anderen der Abgleich zwischen wissenschaftlichem und allgemeinem Sprachgebrauch:

Im Gegensatz dazu wird die Bezeichnung Pädophilie oft nicht im streng wissenschaftlichen Sinne verwendet, wenn grundsätzlich alle Täter, die Kinder sexuell missbrauchen als Pädophile bezeichnet werden. Vor allem sexueller Missbrauch innerhalb der Familie wird oft falsch eingeordnet. Im Fall der nicht primär durch Kinder stimulierbaren Erwachsenen spricht man bisweilen auch von Pseudopädophilie. Originäre Pädophile werden zur besseren Abgrenzung auch als strukturiert pädophil bezeichnet, da ihre sexuelle Orientierung fest in der Persönlichkeitsstruktur verankert ist.

So, und wie bin ich jetzt auf dieses Thema gekommen? Es ist eine Tangente im Rahmen der Diskussion um Meinungsfreiheit im Internet, die sich mir zuletzt aufgedrängt hat. Irgendwie ist das Totschlagargument derjenigen, die keine Probleme damit haben, Seitenbetreibern die vollständige und allumfassende Verantwortung für die Inhalte aller bei ihnen geposteten Kommentare und verlinkten Seiten aufzbürden, immer wieder das: „Und wenn da jemand Pädophilenseiten verlinkt, dann willst du Dich einfach so aus der Verantwortung stehlen?“

Nein, das will ich selbstverständlich NICHT, ebenso wenig wie ich mich aus der Verantwortung für andere strafbare Inhalte stehlen wollte. Ich bin jedoch der Ansicht, dass das AUSMASS dieser Verantwortung dem gesunden Menschenverstand entsprechen muss! Dazu sage ich dann mehr, wenn ich mich wieder dem Kernthema Meinungsfreiheit zuwende, heute geht mir um etwas anderes.

Die Angst vor Kindesmissbrauch ist in allen Diskussionen im Internet der große Buhmann. Genau so, wie zum Beispiel Herr Schäuble die Angst vor Terroranschlägen instrumentalisiert, um Beschneidungen unserer Grundrechte einzufordern, kommt immer wieder genau dieses Thema auf den Tisch, um die Gefahren eines unkontrollierten (was letztlich bedeutet: unzensierten) Internets anzuprangern.

Der endgültige Auslöser, etwas zu diesem Thema zu schreiben, war allerdings ein Blick auf die täglichen WordPress-Top-Posts vor ein paar Tagen, wo ich den Titel „Happy Kinderficker Blog“ vorfand. Ein Klick darauf zeigte mir einen drei Zeilen kurzen Blogeintrag, der beinahe ausschließlich aus Verlinkungen bestand, insbesondere zu der Seite eines offensichtlich bekennenden Pädophilen (ein „strukturiert Pädophiler“ also).

Ich verlinke an dieser Stelle weder das eine, noch das andere Blog. Einmal tun deren konkrete Inhalte für die Betrachtungen, die ich hier anstellen möchte, nichts zur Sache. Zum anderen könnten solche Verlinkungen mich bei der zur Zeit herrschenden Rechtsunsicherheit im Internet in Teufels Küche bringen, zum Beispiel, wenn das Pädophilen-Blog tatsächlich strafrechtlich relevante Inhalte besitzt (oder verlinkt), aber auch, wenn es das NICHT tut und daher die im anderen Blog via dessen Titel („Kinderficker“) implizierte Behauptung möglicherweise einen Straftatbestand wie den der üblen Nachrede erfüllt.

Worum es geht ist Folgendes: Ich habe mich in das verlinkte Blog ein paar Minuten lang eingelesen. Diese Zeit hat sicherlich ausgereicht um festzustellen, dass sein Verfasser sich zu seinen pädophilen Neigungen bekennt. Sie hat hingegen NICHT ausgereicht um festzustellen, ob er sich in irgendeiner Weise strafbar gemacht hat (also weder, DASS er es getan hätte, noch dass er es NICHT getan hätte). Ich glaube nicht, dass irgendjemand, noch dazu ohne die dafür notwendigen speziellen juristischen Kenntnisse, in der Lage sein könnte, eine solche Strafbarkeit ohne wirklich gründliche Beschäftigung mit dieser Seite festzustellen.

Die Mühe hat sich auch kaum jemand gemacht. Stattdessen begannen bei vielen Kommentatoren des „Kinderficker“-Posts sofort wieder die Automatismen zu greifen, die im Wesentlichen darauf hinausliefen: Da bekennt sich jemand zu seiner Pädophilie – hängt das kranke Schwein auf!

Bereits wenn man diesem Gedankengang widerspricht, reicht das vielen bereits aus, um einen selbst als Kinderficker zu verunglimpfen. (Ein Hinweis: Ich habe an dieser Diskussion nicht teilgenommen, ich referiere nur Beobachtungen.) Pädophilie ist in einem solchen Maße tabuisiert, dass jeder Versuch einer differenzierten Betrachtung der damit verbundenen Probleme einen bereits verdächtig macht. Nur deswegen musste ich meinen Eintrag hier überhaupt mit jenen Disclaimern beginnen!

Hier passiert Meinungsbildung bei vielen Menschen immer noch vollständig aus dem Bauch heraus, und Pädophile haben absolut Recht damit, wenn sie darauf hinweisen, dass ihre Verteufelung und Stigmatisierung nach genau dem gleichen Muster abläuft wie früher (und in vielen Weltgegenden auch heute noch) jene von Homosexuellen! An die Stelle von rationalen Überlegungen tritt einfach das tiefempfundene Gefühl, dass Pädophile PERVERS und KRANK sind – eine Einschätzung, die vermutlich ebenso wie auch bei Homosexuellen nicht selten um so intensiver vorgenommen wird, wenn diejenigen in sich selbst Anzeichen für ähnliche Neigungen entdecken und ihre Schuldgefühle durch nach außen getragenen Hass zu kompensieren versuchen.

Pädophilie ist pervers. Obwohl dieses Wort heute mit keiner wissenschaftlichen Bedeutung mehr versehen ist, da es keine objektive Kategorisierung darstellt, sondern ein subjektiv empfundenes Werturteil, kann dieser Umstand nicht angezweifelt werden, sobald man dem Wort „pervers“ irgendeine Existenzberechtigung zugesteht. Sie ist weder auf direkte Weise der menschlichen Fortpflanzung dienlich (das gilt für alle Praktiken, bei denen nicht fruchtbarer männlicher Samen in die Vagina einer empfängnisbereiten Frau gelangt), noch in indirekter Weise (indem sie die emotionale Bindung zwischen fortpflanzungsgeeigneten Partnern verstärkt, wie zum Beispiel bei oralem Verkehr zwischen Frau und Mann), und sie entspricht eindeutig nicht der gesellschaftlichen Norm, ganz egal, wo genau man diese „Norm“ denn nun verorten würde.

Perversion hat die moderne Gesellschaft jedoch längst als prinzipiell nicht zu verurteilende Qualität sexueller Praktiken akzeptiert (weswegen dieses Wort auch nicht mehr in offiziellem Gebrauch ist). Wo genau man bei seinem persönlichen Empfinden die Grenze zur Perversion zieht – für manche sind Oral- und Analsex bereits pervers, für andere hingegen auch Sadomasochismus oder Fäkalpraktiken noch normal, während sie gleichgeschlechtlichen Sex, Gruppensex, Sex mit Fickmaschinen oder Sex mit Tieren als pervers ansehen – ist unerheblich. Perversion an sich ist NICHT strafbar (das gilt in Deutschland auch für alle Praktiken, die ich gerade aufgezählt habe), und das ist auch sehr gut so, da sie eben nur ein subjektives Werturteil darstellt! Nur weil ICH etwas nicht mag, habe ich noch nicht das Recht, es anderen zu verbieten!

Pädophilie ist nicht unnatürlich. Die romantische und sexuelle Fixierung auf Personen oder Objekte, welche mit der eigentlichen Fortpflanzung nichts zu tun hat, ist bei Tieren und Menschen weit verbreitet. Pseudopädophilie, aber auch strukturierte Pädophilie kommen beim Menschen einfach viel zu häufig vor, als dass man sie als „unnatürlich“ abstempeln könnte.

Dass Pädophilie also etwas Natürliches ist, bedeutet aber NICHT, dass deswegen ihre Ausübung gestattet sein muss! Ein paar Beispiele:

Ich fahre mit der S-Bahn und muss dringend kacken – ein völlig natürliches Bedürfnis! Trotzdem ziehe ich mir nicht einfach die Hosen herunter und kacke auf den Boden.

Ich komme auf einem Rummel an einer Bude vorbei, die Marzipantörtchen verkauft. Obwohl mir das Wasser im Mund zusammenläuft, gebe ich nicht meinem natürlichen Appetit nach und schiebe mir eines davon in den Mund ohne zu bezahlen.

Ich treffe in einem Club eine aufregende Frau, die mich leider nicht beachtet. Obwohl ich das natürliche Bedürfnis verspüre, Sex mit ihr zu haben, lauere ich ihr nicht auf ihrem Heimweg auf und versuche sie zu vergewaltigen.

Ich habe in meinem Beruf ein absolutes Riesenarschloch als Chef, das mich schikaniert und triezt und mich aus meiner Stelle hinausmobbt. Ich gebe dem absolut natürlichen Drang, den Kerl einfach umzubringen, trotzdem nicht nach.

Wir besitzen viele natürliche Bedürfnisse, denen wir nicht nachgeben können, ohne die Rechte unserer Mitmenschen zu verletzen. Daher setzt die Gesellschaft unseren Möglichkeiten, diese Bedürfnisse auszuleben, Grenzen.

Bei sexuellen Handlungen mit Kindern hat der Gesetzgeber entschieden, dass sie prinzipiell nicht vorgenommen werden dürfen (also auch nicht mit deren Einverständnis), um das Recht von Kindern auf eine eigenständige sexuelle Entwicklung zu schützen. Ich halte das für eine sehr vernünftige Entscheidung, und ich würde mich einer geplanten Änderung dieser Gesetzgebung auch vehement widersetzen, aber nichtsdestotrotz finde ich es wichtig darauf hinzuweisen, dass man hier anderer Meinung sein kann und darf, und dass insbesondere Pädophile hier natürlich Gründe haben, anderer Meinung zu sein!

Ich will hier noch zwei weitere wichtige Abschnitte aus dem Wikipedia-Artikel zitieren:

Zahlreiche Studien sprechen von einer Nicht-Aggressivität und Zuneigung der Pädophilen zu Kindern. Dem entspricht auch die Beobachtung, dass sexuell aktive pädophile Erwachsene den Kindern in stärkerem Maße emotional zugewandt zu sein scheinen als andere Sexualstraftäter ihren Opfern. Ein Pädophiler wird meist versuchen, die Zuneigung der Kinder zu erlangen. Ob Pädophile gewalttätig werden, hängt von ihren allgemeinen Persönlichkeitsmerkmalen, wie z.B. Gewaltbereitschaft und Frustrationstoleranz, ab. Ähnlich wie bei Menschen mit primärer sexueller Ausrichtung auf Erwachsene gibt es auch einen vergleichbar geringen Anteil Pädophiler mit sadistischer Fixierung. Eine Minderheit der Pädophilen, welche auch als sexuelle Sadisten oder antisoziale Persönlichkeiten diagnostiziert werden, fügen den Objekten ihrer Begierde schwere körperliche Verletzungen zu (Davison u. Neale 2002).

Zum Anteil pädophiler Täter am sexuellen Missbrauch von Kindern gibt es unterschiedliche Statistiken, die z. T. stark voneinander abweichen. Einige Untersuchungen (Kinsey-Report, Lautmann, Brongersma, Groth) gehen davon aus, dass nur 2 bis 10 % der an Kindern begangenen Sexualstraftaten den Pädophilen zuzuordnen sind. Andere Studien schätzen den Anteil pädophiler Täter mit 12 bis 20 % deutlich höher ein.[3] Trotzdem gilt es gesichert, dass der überwiegende Teil der gegen Kinder gerichteten Sexualstraftaten nicht von Pädophilen begangen wird, sondern von Tätern, die in ihrer Sexualität primär auf Erwachsene ausgerichtet sind.

Lasst das erst einmal sacken, und ignoriert es nicht nach dem Motto „was nicht sein darf, das nicht sein kann“!

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Pädophile praktisch mit Sexualstraftätern, deren Opfer Kinder sind, gleichgesetzt. DAS ENTSPRICHT NICHT DER REALITÄT! Pädophile sind einfach Menschen, die Kinder LIEBEN, genau so wie Schwule Männer lieben und Heterosexuelle Menschen des anderen Geschlechts. Sie besitzen keinen stärkeren (oder schwächeren) Hang zur Gewalttätigkeit und werden auch ansonsten nicht öfter straffällig, abgesehen eben davon, dass sie verbotene romantische Kontakte zu Kindern suchen.

Noch einmal: Ich beabsichtige hier NICHT, aktive Pädophile zu entkriminalisieren – wohl aber zu entdämonisieren!

Pädophile sind Menschen, welche Gefühle empfinden, die sie aus gesellschaftlichen Gründen nicht ausleben dürfen. Sie sind nicht kriminell, so lange sie ihre Bedürfnisse nicht ausleben, und sie sind nicht krank, so lange sie nicht in dem Spannungsfeld zwischen ihren Bedürfnissen und den ihnen von der Gesellschaft gesetzten Schranken seelisch zerreißen.

Pädophile, die keine Sexualstraftäter sind, verdienen nicht Hass und Verachtung, sondern Mitleid, und in Fällen, in denen es ihnen gelingt, ein glückliches Leben zu führen ohne straffällig zu werden (also ohne sexuelle Beziehungen mit Kindern aufzunehmen oder Kinderpornografie zu konsumieren) unsere Bewunderung.

Sie benötigen von Fall zu Fall möglicherweise ein gewisses Maß an Überwachung, damit sicher gestellt ist, dass sie ihrem emotionalen Drang nicht nachgeben, sowie an Hilfe, um mit der für sie äußerst schwierigen Lebenssituation fertig zu werden.

Wenn sie krank sind, dann tatsächlich nur deswegen, weil die Gesellschaft sie krank macht (das aber ist wiederum ein notwendiger Schutzmechanismus der Gesellschaft davor, dass Pädophilie die Gesellschaft krank macht)!

Das Thema dieses Blogeintrags ist aber letztlich nicht Pädophilie. Ich erinnere noch einmal an jenes Blog, welches jenes andere Blog verlinkt hat, und den Sturm der moralischen Entrüstung, der daraufhin losgebrochen ist:

Hier schreibt also ein strukturierter Pädophiler freimütig über seine Gefühle und Wünsche und kritisiert die existierende Gesetzgebung und gesellschaftliche Einstellung zu Pädophilie.

Und das darf er! Nicht nur das – das MUSS er dürfen, denn ansonsten ist unsere Meinungsfreiheit keinen Pfifferling wert! „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“, lautet das berühmte Zitat von Rosa Luxemburg, und es beschreibt eine der allerwichtigsten politischen Wahrheiten.

Natürlich ist es einfach und bequem, solche Stimmen niederzubrüllen, im Chor der „normalen“ und „anständigen“ Menschen ein Schreibverbot für Pädophile zu fordern, und wenn man schon dabei ist gleich noch deren Kastration, oder besser noch sofortige Exekution.

Es gibt ein berühmtes Zitat, das von einem Pastor Martin Niemöller stammt, und von dem sich zahlreiche Varianten im Netz finden, ohne dass sich heute noch feststellen ließe, welche das Original darstellt. Ich greife einmal eine davon heraus:

In Germany, they first came for the communists,
and I didn’t speak up because I wasn’t a communist.
Then they came for the Jews,
and I didn’t speak up because I wasn’t a Jew.
Then they came for the trade unionists,
and I didn’t speak up because I wasn’t a trade unionist.
Then they came for the Catholics
and I didn’t speak up because I wasn’t a Catholic.
Then they came for me —
and by that time there was nobody left to speak up.

Populismus stellt immer eine „wir-gegen-die“-Situation her, und wir geben uns nur allzu oft damit zufrieden festzustellen, dass wir nicht zu „denen“ gehören und verlieren das Interesse für die Rechte dieser anderen. Je klarer man diese Abgrenzung vornehmen kann, je spektakulärer sie sich formulieren lässt („Bist Du etwa auch ein Kinderficker oder was?“), desto weniger neigen wir dazu, Vorurteile und Tabuisierungen zu hinterfragen.

Ich bin kein Pädophiler, und ich bin wirklich, WIRKLICH froh darüber, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mit dieser seelischen Belastung umgehen könnte! Trotzdem werde ich mich an der Hexenjagd auf sie nicht beteiligen, denn es geht nicht nur darum, gegen WEN es geht, sondern WARUM und WIE. Es geht um grundlegende Rechte, die jeder Mensch besitzt, auch wenn er einer ungeliebten oder unbequemen Gruppierung angehört.

Heute sind es die Pädophilen. Morgen sind es vielleicht wieder die Schwulen, oder die Pornogucker, oder die Computerspieler… oder die Blogger. Niemand kann genau vorhersagen, wogegen sich ein von Meinungsführern gesteuerter „gesunder Volkszorn“ als nächstes entlädt, aber viel zu viele nehmen offensichtlich an, dass es schon nicht gegen sie gehen wird, und dann ist es ja in Ordnung.

Wehret den Anfängen.

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