Im Namen Gottes

Posted on September 11, 2007


Zwei Links heute:

CDU-Generalsekretär verlangt Kruzifixe in allen Schulen

Bayern will schärfere Strafen für Gotteslästerung

Ich bin beunruhigt über das Erstarken der NPD, aber solche Meldungen machen mir mehr Angst – die CDU/CSU stellt die stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag, und von einem Generalsekretär und einem Parteivorsitzenden muss man erwarten, dass sie Positionen vertreten, die das Profil ihrer Partei widerspiegeln!

Ich finde es bereits höchst problematisch, wenn eine Partei eine religiöse Überzeugung in ihrem Namen führt. Wie ist es möglich, gleichzeitig göttliche und weltliche Autorität (den sogenannten „Boden des Grundgesetzes“) zu akzeptieren? Ein Glaube, dem man nur folgt, wenn er zufällig gerade mit weltlichen Gesetzen vereinbar ist, erscheint mir nicht allzu überzeugend – wenn man an einen Gott glaubt, dann muss man doch zwingend dessen Willen über alles andere stellen!

Offensichtlich sehen die christlichen Missionare in Deutschland ihre Zeit gekommen, unsere säkulare Gesellschaft wieder anzugreifen – Schulkindern religiöse Symbole aufzuzwingen und eine Zensur religionskritischer Äußerungen zu fordern sind da schon sehr eindeutige Schritte! Unter dem Druck des terroristischen Islamismus beruft sich unsere Gesellschaft nicht etwa auf die säkularen Werte der Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit (die in allererster Linie ein Recht auf FREIHEIT VON RELIGION bedeuten muss!), sondern beginnt nach dem Vorbild amerikanischer fundamentalistischer Christen zu handeln.

Die Verbrechen des Nationalsozialismus und anderer totalitärer Ideologien sind eine historische Fußnote im Vergleich zu dem, was das Christentum, der Islam und andere Religionen in der Geschichte bewirkt haben. Wenn Eva Hermann sagt, dass in der Nazi-Zeit doch vieles gut geswesen sei, dann hat das zu Recht Konsequenzen für sie: Man kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass es natürlich böse gewesen ist, die Juden zu vergasen, und falsch, einen Weltkrieg zu beginnen (insbesondere, wenn man ihn nicht gewinnt), aber ansonsten seien die Ideen der Nazis doch ganz nett gewesen!

Genau das geschieht aber kontinuierlich bei den großen Religionen: Das unendliche Leid, das sie über die Menschheit gebracht haben und immer noch bringen, wird als „extremistisch“ und als „Auswüchse“ tituliert, während die zu Grunde liegenden Ideen doch tolerierbar, ja geradezu ethisch seien!

Sie sind es nicht. Jede Religion, die einen göttlichen Willen propagiert (und ohne diesen hätte sie keine Existenzberechtigung) ist menschenfeindlich, weil sie zwingend impliziert, dass Menschenrechte hinter diesen göttlichen Willen zurücktreten müssten.

Die in den beiden von mir verlinkten Artikeln propagierten Ideen sind nichts anderes als Gehirnwäsche und Zensur – essenzielle Bestandteile der christlichen (und jeder anderen) Religion. Dass so etwas von der Spitze der selbsternannten „politischen Mitte“ vorgeschlagen wird, ja, das macht mir ernstlich Angst!

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