Der Unterschied zwischen Streik und Schutzgelderpressung

Posted on Oktober 9, 2007


Ich habe ja bislang noch mit mir gerungen, mir zu diesem Thema eine Meinung zu bilden. Heute ist es aber so weit:

Die GDL kündigt weitere, länger andauernde Streiks mit kürzerer Vowarnzeit an.

Eine Minigewerkschaft beweist, dass sie die Macht besitzt, das Land ins Chaos zu stürzen. Gleichzeitig jammert sie darüber, wie unfair es doch von der Bahn gewesen sei, vor Gericht Verbote gegen weiterführende Streiks (zum Beispiel im landesweiten Verkehr) zu erwirken – hallo? Wenn ein Gericht feststellt, dass gewisse Streiks nicht rechtmäßig sind, dann SIND SIE NICHT RECHTMÄSSIG, und es ist nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht der Bahn, ihre Kunden davor zu schützen!

Der Personen-Nahverkehr darf aber bestreikt werden, und das tut die GDL nun. Auf wessen Rücken wird der Streik aber ausgetragen? Auf dem der Kunden, sprich: Schüler, Studenten, Arbeitnehmer, Hausfrauen und -männer, die auf die Bahn angewiesen sind.

Wem genau schadet eigentlich eine kürzere Vorwarnzeit? Bedeutet es für die Bahn etwas höhere Kosten, wenn sie keine Zeit hat, Notfallpläne zu erstellen? Nein, es bedeutet nur, dass die Auswirkungen auf die Bevölkerung gravierender sind!

Ist also die Strategie der GDL, den Druck auf die Bahn zu erhöhen, weil sich die Kunden dort massiv beschweren? Oder ist es eine Strategie von Selbstmordattentätern, einfach die Drohung, das Unternehmen finanziell zu ruinieren, weil es Kunden verliert, die sich nicht mehr auf dessen Zuverlässigkeit verlassen können?

Wenn der Streik für die Bahn zu teuer wird, und die GDL so ihre Forderungen durchsetzen kann, dann muss das Geld dafür woanders herkommen. Und die sicherlich großzügigen Bezüge auf der Managerebene, die immer wieder als moralische Rechtfertigung für diesen Streik herhalten müssen, wären da weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein, selbst wenn sie vollständig ins Unternehmen zurückgeleitet würden. Nein, finanzielle Verluste plus höhere Unkosten für das Lokführergehalt bedeuten entweder höhere Fahrpreise oder niedrigere Löhne für andere Arbeitnehmer (oder beides)! Letztere wiederum werden sich das kaum gefallen lassen.

Nun gut, es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Bahn ja nun ein privates Unternehmen sei, das sich dementsprechend auch der Realität des Arbeitskampfes in einer sozialen Marktwirtschaft stellen müsse. Anders ausgedrückt: Jetzt gibt es etwas zu holen, also ran an den Speck!

Eine Forderung nach über 30% mehr Gehalt ist, egal wie man es dreht und wendet, unverschämt! Wie kann sich die GDL über mangelnde Solidarität anderer Gewerkschaften beklagen, wenn sie in dermaßen unsolidarischer Weise deren Abschlüsse torpediert? Wer Solidarität von anderen verlangt, der muss sie auch zeigen. Hier streikt eine kleine Berufsgruppe ausschließlich für ihre eigenen Interessen, mit einer Forderung, die man nur als erpresserisch bezeichnen kann. Wenn Lokführer tatsächlich für ihre Qualifikation unterbezahlt sein sollten (eine Diskussion, aus der ich mich heraushalte, die aber bereits die seltsamsten Blüten getrieben und Lokführer mit LKW-Fahrern, Piloten und Chirurgen verglichen hat), dann ist das eine über viele Jahre hinweg entstandene Schieflage, die auch entsprechend graduell korrigiert werden muss! Erwartet die GDL tatsächlich Rückhalt in der Bevölkerung für eine Forderung nach einem Drittel mehr Gehalt auf einen Schlag, ganz besonders wenn abzusehen ist, dass bei einem Nachgeben der Bahn die großen Gewerkschaften noch einmal nachziehen werden (was weitere Streiks bedeutet)?

Die Lokführer haben eine Strategie gewählt, bei der sie die Bahnkundschaft für ihre Zwecke einspannen. Es geht nicht nur darum, der Bahn finanzielle Verluste zu bereiten, es geht darum, Druck via Millionen entrüsteter Kunden auszuüben. Aber wieso sollen wir Kunden uns eigentlich auf die Seite der GDL stellen? Was springt für uns dabei heraus? Die GDL will hre Lohntüten füllen. Das Resultat werden höhere Fahrkartenpreise sein. Wieso sollen wir uns damit solidarisch erklären?

Hiermit gebe ich öffentlich bekannt, dass ich mir ein Scheitern dieses Streiks wünsche, und einen damit einhergehenden Machtverlust der GDL, der von mir aus ruhig bis zu deren Auflösung reichen kann (ein Ziel, welches sie der Bahn auch vorwirft)! Ich habe kein Interesse daran, dass Minigewerkschaften, die sich in sensiblen Positionen befinden, ausschließlich für ihren eigenen Vorteil die gesamte Wirtschaft bestreiken! Eine eigene Lokführergewerkschaft ist überflüssig wie ein Kropf. Wie sähe das denn in anderen Bereichen aus: In Krankenhäusern streiken von nun an die Anästhesisten für mehr Gehalt (denn ohne die geht es ja auch nicht)? Auf Schiffen die Maschinisten? In Schulen die Sportlehrer? Im Fußball die Torhüter? Alle Arbeitnehmer, deren Nachname mit „M“ beginnt?

Ja, die GDL kann mit ihren Streik der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen, was beweist, dass ihre Angehörigen in Schlüsselpositionen beschäftigt sind. Berechtigt sie das dazu, das ganze Land zu erpressen? Ich war es bislang gewohnt, Gewerkschaften immer als „Die Guten“ zu betrachten, die sicherstellen, dass der Profit, welcher von Unternehmern erwirtschaftet wird, zumindest teilweise auch den Arbeitnehmern zu Gute kommt. Ich kann dieses Prinzip hier aber nicht erkennen! Ich sehe kein Bündnis von Arbeitnehmern, welches gemeinsam seine berechtigten Ansprüche gegenüber profitorientierten Unternehmen einfordert; ich sehe eine Interessenvereinigung von Spezialisten, die eine Schutzgelderpressung dafür verlangt, dass sie den Betrieb im Bahnverkehr nicht mehr sabotiert!

Wer den Unwillen der Bevölkerung in seine Streikpläne miteinkalkuliert, der mus ssich fragen lassen, ob sein Streik überhaupt im Interesse der Bevölkerung ist! Eine flächendeckende Gewerkschaft, die dafür sorgt, dass erwirtschaftete Gewinne auch den Arbeitnehmern zu Gute kommt, hätte meine volle Unterstützung. Die GDL hat sie nicht.

Keine Solidarität mit einer unsolidarischen Gewerkschaft!

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