Kleines Pressespiegelchen

Posted on Oktober 10, 2007


Selbst Schuld, wenn man Nachrichten liest, ich weiß… Drei Dinge sind mir aber aufgefallen, auf die ich Euch hinweisen will (alle Info stammt von Spiegel Online):

In diesem Artikel hier wird folgende Einschätzung eines Sprechers der Gewerkschaft Transnet wiedergegeben: Zudem werde bereits unter Fahrdienstleitern, Stellwerkern oder Wagenmeistern diskutiert, ob sie in Zukunft nicht ähnlich wie die Lokführer einen separaten Tarifabschluss anstreben sollten.

Genau das habe ich befürchtet
– jede Berufsgruppe kocht ihr eigenes Süppchen! Natürlich muss dann mit all diesen Gruppen einzeln verhandelt werden, und sie rufen alle einzeln Streiks aus… Bitte nicht nachgeben, Deutsche Bahn!

Henryk M. Broder schreibt in seiner Kolumne interessanterweise sehr ähnliche Gedanken nieder, wie ich zuletzt. Einige Auszüge:

Es gibt eine Regel bei Diskussionen über aktuelle Themen, die sich jeder Teilnehmer merken sollte: Wer zuerst Hitler, Nazis, Drittes Reich sagt, hat die Arschkarte gezogen. So einer ist entweder NS-Sympathisant oder – noch schlimmer – er missachtet das 11. Gebot: Du sollst nicht vergleichen!

Die Nazis waren Aliens, die Deutschland zwölf Jahre lang besetzt hielten, bestenfalls eine hässliche Verwandtschaft, unter deren schlechten Manieren man selber immer noch leiden muss.

so dürfe man den „Holocaust“ nicht verharmlosen. Es geht nämlich nicht darum, den nächsten zu verhindern, sondern den letzten in Erinnerung zu behalten.

Johannes Gross hat es so formuliert: „Je länger das Dritte Reich zurückliegt, umso mehr nimmt der Widerstand gegen Hitler und die Seinen zu.“

Das sind viele Formulierungen, in denen ich mich wiederfinde! Der eigentlichen Aussage seines Artikels jedoch, mit der er den Rauswurf von Eva Herman aus der Kernerschen Sendung kritisiert, möchte ich mich nicht anschließen – jedenfalls nicht, ohne die Sendung gesehen zu haben.

Eine weitere Meldung von Interesse versteckt sich im Sportteil: Ein iranisch-stämmiger deutscher Jugendnationalspieler will nicht gegen Israel antreten. Ja, das ist natürlich ein Skandal, und wenn die Bild-Zeitung die Aussagen des Jungen korrekt wiedergegeben hat (oder Freitag der Dreizehnte auf einen Vollmond fällt, was wohl genau so wahrscheinlich ist), dass er auf Grund seiner politischen Ansichten nicht spielen wolle, selbstverständlich ein Grund, ihn aus der deutschen Nationalmannschaft auszuschließen!

Nur… unterdessen dreht sich die Diskussion darum, dass der Spieler persönliche Gründe angegeben habe, namentlich, dass er im Falle eines Einsatzes Repressalien für seine im Iran lebenden engen Verwandten fürchtet! Und trotzdem wird ihm von allen Seiten gesagt, er solle sich „wie ein Deutscher “ entscheiden… Wie verlogen ist das denn? Wenn der junge Mann tatsächlich spielt, und sein Bruder fliegt einen Tag später aus seinem iranischen Team, wird von einigen wütenden Fanatikern zusammen geschlagen, oder unter irgendeinem Vorwand verhaftet und ins Gefängnis verfrachtet – ist dann der Moment gekommen, an dem die selben Stimmen dann Betroffenheit heucheln, vielleicht noch gepaart mit einem „Wenn wir das geahnt hätten“?

Wieso wird eigentlich einem 21-jährigen Fußballspieler eine solche Entscheidung aufgebürdet? Seit der Islamischen Revolution von 1979 lehnt es die Regierung in Teheran ab, Israel anzuerkennen, und verbietet seinen Staatsbürgern die Einreise sowie jeden sportlichen Wettkampf mit Israel. Das – und die Tatsache, dass iranische Sportler und Mannschaften trotzdem noch an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen – ist doch wohl der eigentliche Skandal! Hier versagt die Sportpolitik auf der ganzen Linie: Anstatt Druck auf diejenigen auszuüben, welche diese Situation geschaffen haben, sanktioniert sie einzelne Sportler, die sich diesem Dilemma ausgesetzt sehen! Einem Menschen Vorwürfe zu machen, weil er aus Angst um seine Familie ein Fußballspiel absagen will – wie heuchlerisch ist das denn bitteschön?

Was besitzen diese drei Themen eigentlich für einen gemeinsamen Nenner? Nun, jedes Mal geht es darum, dass Widerstand nicht dort geleistet wird, wo er wichtig wäre, sondern dort, wo er erfolgversprechend erscheint! So sind wir Menschen eben. Moral verlangen wir immer nur von den anderen.

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