Jugendbücher, Nachschlag

Posted on November 21, 2007


Dann will ich mal noch ein paar Dinge nachliefern, die mir beim Schreiben meines ersten Eintrags zu diesem Thema nicht in den Sinn gekommen waren:

Einmal, natürlich, Karl May! In einer Auflistung berühmter Jugendbuchautoren darf dieser Mann natürlich nicht fehlen, und gewiss standen auch ein paar seiner Werke bei mir im Kinderzimmer. Meine Erinnerung reicht allerdings nur bis zu Winnetou 1-3 und Durch die Wüste, ansonsten ist da nur noch eine verschwommene Ahnung, dass ich ein oder zwei andere Bücher von ihm angelesen und als zu trocken, unverständlich und langweilig abgetan hatte. Erstaunlicherweise weiß ich auch noch, dass ich bei verschiedenen Passagen dachte, „wie blöd!“, obwohl ich diese Bücher in recht jungem Alter gelesen haben muss; zum Beispiel in Winnetou 3, als die beiden Helden eine ganze Nacht „krumm geschlossen“ unter großen Schmerzen verbringen mussten, und es einfach zu offensichtlich war, dass diese ganze Szene, die für den Gesamtverlauf der Handlung nicht von Bedeutung schien, nur dazu da war, ihren Heldenmut zu unterstreichen. (Übrigens ist das auch so ziemlich die einzige Szene, die mir abgesehen von der Anfangssequenz in Winnetou 1 – bis hin zu seiner erfolgreichen Mutprobe – immer noch im Gedächtnis geblieben ist!) Ich bin mir auch sicher, dass ich als Kind zahlreiche Karl-May-Verfilmungen gesehen habe, aber so richtig hängen geblieben ist nichts. Das spricht nicht wirklich dafür, dass diese Geschichten mich sehr beeindruckt haben, oder?

Und dann: Mark Brandis! (Das Pseudonym von Nikolai von Michalewsky.) Von seiner „Weltraumpartisanen“-Reihe (was für ein dämlicher Titel, hätte ich nicht gegooglet, hätte ich mich daran nicht einmal erinnert) hatte ich so ungefähr die ersten zehn Teile gelesen. Daran habe ich eine recht gute Erinnerung! Wissenschaftlich betrachtet sollen seine Bücher nicht so ganz hinhauen, aber das habe ich als Kind/Jugendlicher nicht bemerkt. Immerhin hat Brandis zumindest versucht, Hard-SF zu verfassen, anstatt eine Mischung aus Fantasy und Western im Weltraum – auch Space Opera genannt – zu schreiben, was natürlich einfacher ist. (Falls Ihr Euch darunter nichts vorstellen könnt: Ihr kennt doch Star Wars, oder?) Seine Bücher habe ich als spannend und fantasieanregend in Erinnerung, und vor allem erschienen sie mir plausibel: Das Sonnensystem wurde erst nach und nach erkundet, die Besiedlung des Mondes war wieder aufgegeben worden, und die beschriebenen Krisen handelten von machtlüsternen Diktatoren, Wirtschaftsspionage und Sabotage, sowie den Risiken des totalen Überwachungsstaats. Brandis traf damit eine Balance aus optimistischer SF (Die Menschheit kann die Herausforderungen der Zukunft mit technischen Mitteln lösen, und die Völkergemeinschaft wächst zusammen) und einer guten Dosis pressimistischen Realismus (Es wird weiterhin Kriege, Verrat und Vorurteile geben, und die Technik ist sowohl Segen als auch Fluch.)

Es gab da auch noch eine Reihe von C.S. Forester um den Seemann Hornblower, zehn Bände, die seinen Werdegang bei der britischen Marine zur napoleonischen Zeit vom Fähnrich zum Admiral beschreiben. Das hätte mich durchaus interessieren können, aber meine Eltern schenkten mir sinnigerweise Band vier bis neun, und ich begann nie, diese Bücher zu lesen, weil ich natürlich Band 1 als Erstes lesen wollte! Nun, die ersten drei Bände fanden nie den Weg zu mir, und daher verschwanden irgendwann auch die anderen.

Na schön, und dann sind da noch ein paar Reihen, die ich nie gelesen habe: Perry Rhodan, Jerry Cotton, John Sinclair… Diese Heftchen erschienen mir schon immer billig, und wenn ich einmal hineingelesen hatte, wurde meine Ansicht auch bestätigt. Auch mit zehn bis zwölf Jahren kann man schon merken, ob Figuren bloße Namen sind, und ob die Handlung vorhersehbar und auf billige Schockeffekte gegründet ist. Wenn man außerdem im gleichen Alter bereits die Werke von Jules Verne, Arthur Conan Doyle und Edgar Allan Poe entdeckt, dann sticht der Unterschied schon ins Auge.

Als Letztes (wenn mir nicht doch noch etwas Wichtiges einfällt) wären noch die griechischen Sagen – natürlich in der jugendfreundlichen Ausgabe von Gustav Schwab – zu erwähnen, die ich immer und immer wieder verschlungen habe. Auch einige römische Sagen gab es in ähnlicher Form, wenn sie mich auch ein wenig enttäuschten, da hier das mythische Element einer Welt, in denen das Schicksal der Sterblichen von zahlreichen Göttern bestimmt wurde, doch recht deutlich in eine anekdotische historische Erzählung umschlug – auch durchaus interessant, aber eben nicht die Fortsetzung jenes Lesefutters, von dem ich nicht genug bekommen konnte.

Oh, und der dicke Band mit den germanischen Sagen war erst recht eine Enttäuschung! Die Göttersagen waren ja noch sehr interessant und unterhaltsam, aber die skandinavischen Heldensagen lasen sich immer so: „Frugthir war der Sohn von Haltjhör, und er heiratete Greyja, die Tochter Wigolfs, des Königs von Welfland. Er wurde von Mölfir erschlagen, doch sein Sohn Björthir schwor Rache…“ Endlose Aneinanderreihungen von Namen und Verwandtschaftsbeziehungen, und ständig erschlug man sich gegenseitig und nahm dafür Rache. Klar, das kann ein interessanter Stoff sein, aber doch nicht als bloße Aufzählung! Die neueren germanischen Sagen (also Siegfried & Co.) lasen sich dann wieder zu pseudohistorisch. Im Rückblick muss ich wohl konstatieren, dass mir hier einfach das Fantasy-Flair gefehlt hat!

Die meisten Bücher, die ich heute in Umzugskisten packe, habe ich mir jedenfalls im Alter von 15 bis 25 Jahren geholt, und die häufigsten Autorennamen sind: Hohlbein, King & Niven; stellvertretend für die drei phantastischen Hauptrichtungen Fantasy, Horror und Science Fiction (natürlich haben diese drei Schreiber auch die anderen Gebiete beackert).

Das ist dann wohl auch kein Zufall!

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