Drei Filme

Posted on Dezember 19, 2007


Zwei phantastische Filme – also Filme, welche dem Genre „Phantastik“ zuzuordnen sind – und einen Thriller mit starkem psychologischen Einschlag habe ich zuletzt im Kino gesehen: „Sternenwanderer“, „Der goldene Kompass“ und „Mr. Brooks“.

„Sternenwanderer“ ist einfach ein rundum gelungener Film – nichts Spektakuläres, aber mit einer schönen Geschichte, in der die Schicksale verschiedener Personen zu einem verdrehten Handlungsfaden verwunden werden, herrlichen Charakteren, witzigen Einfällen und vor allem tollen Bildern. Ich kenne die Vorlage von Neil Gaiman nicht, aber ich hatte „Niemandsland“ von ihm gelesen und mir außerdem sagen lassen, dass er ein hervorragender Comic-Autor sei. Deswegen hatte ich eine gewisse Erwartungshaltung an den Film, die auch keineswegs enttäuscht wurde! Wer leichten Humor und eine zwar ein wenig bizarr verworrene, aber letztlich klassische Märchenhandlung mag, dem sei „Sternenwanderer“ wärmstens empfohlen!

„Der goldene Kompass“ bot dann ein wenig „ernsthaftere“ Fantasy mit weniger märchenhafter Handlung, obwohl gewisse Konventionen der Phantastik auch hier anzutreffen waren. Ganz hervorragend gefiel mit die Darstellung des viktorianischen England in der Parallelwelt, deswegen fand ich es ein bisschen schade, dass der letzte Teil des Filmes in der Arktis spielte, die ja kein allzu ungewöhnliches Szenario bot.

Die Hauptfigur musste natürlich ein Kind sein, aber wenigstens besaß dieses Mädchen einen ausgeprägten Charakter und wurde von ihrer Darstellerin auch sehr überzeugend gespielt – ein pubertierender Teenager an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Das entführte Kind hingegen war so ein richtig typisches, nerviges Filmgör, und wenn es tatsächlich am Ende des ersten Teils gestorben wäre, wie ein Kommentator hier behauptet hat, hätte es mich wirklich nicht gestört!

Letztlich aber war die ganze Geschichte trotz einiger beklemmender Anklänge zwischenzeitlich doch recht kitschig, was ich schade fand, da ich gerade hier etwas anderes erwartet hatte. Auch diesmal kenne ich das Buch nicht, deswegen weiß ich nicht, ob die zahlreichen Deus ex Machina aus der cineastischen Verdichtung der Handlung resultierten. Ab der Mitte des Films jedenfalls reihen sich alle Figuren geradezu auf, um der Heldin zu helfen. Dabei fand ich die Hexen sehr phantasielos umgesetzt (sie können also fliegen und bogenschießen, aha) und die Eisbären zwar optisch höchst überzeugend, aber in ihrer Rolle in diesem Setting – man verzeihe mir den Magic-Slang! – einfach nur random. Die menschlichen Figuren hingegen überzeugten mich in Charakter und Darstellung.

Die wirklich interessanten Auftritte hatten jedoch natürlich die Dämonen! An den jederzeit beiäufig durchs Bild wuselnden Panthern, Hunden und Hasen konnte ich mich nicht satt sehen. Sie gaben dem Film sein ganz eigenes Flair.

Witzig übrigens, dass ich gerade vorher einen Blogeintrag zum Thema „Star Wars“ verfasst hatte, nur um dann festzustellen, dass im „goldenen Kompass“ die Szenen „Ich bin Dein Vater, Luke!“ und „Han Solo kommt doch noch aus der Luft seinem jungen Freund zu Hilfe“, sowie natürlich „Der Todesstern explodiert“ zu finden waren! Vom Eisbär Chewbacca ganz zu schweigen. Jaja, die Archetypen…

Alles in allem bietet „Der Goldene Kompass“ eine sehr interessante Welt, die optisch perfekt umgesetzt wurde, aber sowohl Setting als auch Handlung leiden an gelegentlicher Beliebigkeit. Nach den Vorschusslorbeeren, die der Film erhalten hat, hatte ich da etwas mehr erwartet. Nichstdestotrotz war es ein schönes Kinoerlebnis, und wenn die nächsten Teile kommen (woran nicht zu zweifeln ist), werde ich sie mir gewiss ansehen!

„Mr. Brooks“ fällt dann in eine völlig andere Schublade. Das Portrait des erfolgreichen Geschäftsmannes und liebenden Familienvaters, der gegen seine Mordsucht ankämpft, ist absolut faszinierend und in Geschehen und Charakterisierung überzeugend. Der nach außen hin jederzeit souveräne, jedoch innerlich zerrissene Brooks, sein mit geradezu magnetischer, selbstverständlicher Überzeugungskraft ausgestattetes Alter Ego Marshal, der sensationsgeile Fotograf, die flatterhafte Tochter – jede Figur passt, wirkt absolut echt. Hier kam ich in der Überzeugung aus dem Kino, nicht in erster Linie einen „schönen“, sondern vor allem einen „guten“ Film gesehen zu haben. Lediglich die Figur der reichen Polizistin schien sich noch nicht ganz zu 100% in die Handlung zu fügen, ihre Motivation noch nicht restlos geklärt zu sein – ein loses Ende, an welches möglicherweise in einer Fortsetzung angeknüpft wird. Die Frage, mit der jeder Zuschauer hier verabschiedet wird ist: Hat der Vater recht mit den Befürchtungen bezüglich seiner Tochter? Wie geht es mit ihr weiter, und was ist mit dem Kind? Auch das könnte in einer Fortsetzung angesprochen werden. Ohne einen echten „Cliffhanger“ zu haben, beschäftigt einen „Mr. Brooks“ gedanklich über sein Ende hinaus. Höchst empfehlenswert!

P.S.: Ich habe alle Filme im englischen Original gesehen. Möglicherweise sind die deutschen Übersetzungen der Dialoge nicht vollständig gelungen – ich weiß, dass so schnell der Gesamteindruck eines Films (oder einer Fernsehserie) leiden kann!

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