Von Blogs und Foren

Posted on September 26, 2008


Ich habe wieder einmal einen Kommentar verfasst, der lang und inhaltsreich genug ist, um einen eigenständigen Eintrag darzustellen, und ich habe es diesmal auch rechtzeitig gemerkt! Entstanden ist er als Antwort auf einen Kommentar von Minotaurus unter meinem Begrüßungseintrag:

Richtig, ein Blog ist eine Selbstdarstellung.

Das Wort „Homepage“ weist bereits darauf hin: Hier ist man zu Hause, also bestimmt man auch die Einrichtung. Man lädt sich Gäste ein, wenn man dies möchte (es gibt schließlich auch größtenteils private Homepages), aber im eigenen Zuhause bestimmt man die Regeln letztlich natürlich selbst.

Wie praktisch, dass es in der virtuellen Welt so leicht möglich ist, verschiedene Zuhause zu haben! So ist es möglich, verschiedene Gäste zu verschiedenen Anlässen zu verschiedenen Orten einzuladen. In der realen Welt regelt man dies über verschiedene Termine: Montag Nachmittag verabredet man sich zum Fußball Spielen; Mittwoch abends versammelt man seinen kleinen privaten Buchklub; Freitags trifft man sich zum Spieleabend, und Samstag Nacht ist Party angesagt!

Im Internet trennt man nicht zeitlich, sondern (virtuell) räumlich, und man kann darin sogar mehr oder weniger gleichzeitig an verschiendenen Orten anwesend sein! Auf Zeromagic lade ich Magicspieler ein; auf Ein Platz für Andi diejenigen, die an meinem Geschreibsel und ein bisschen an mir persönlich interessiert sind; auf Andis Andersartige Ansichten diejenigen, die mit mir über Gott und die Welt diskutieren wollen.

Ja, man kann auch in Foren diskutieren – das ist dann so wie ein Vereinstreffen in angemieteten Räumen, welches von der Forenleitung organisiert wird. Wie auch im realen Leben habe ich so meine Schwierigkeiten mit der damit zwangsläufig enstehenden Vereinsmeierei, sowie der im Internet vorherrschenden Vorstellung, dass alle überall mitreden dürfen, aber niemand sich dazu verpflichtet fühlt, über das nachzudenken, was er sagt.

Blogs und Foren sind verschiedene Plattformen. Ein Forum baut auf dem Gefühl einer Gemeinschaft auf, welches aber bei kleineren Foren oft genug trügt, da diese in Wirklichkeit von einer Handvoll engagierter oder gar einem einzelnen Betreiber getragen werden, der/die verzweifelt versuchen, den Rest zum Mitmachen zu animieren, und welches bei größeren Foren meistens durch das Gefühl einer durch die Willkürherrschaft von Moderatoren zu ihrem eigenen Besten unterdrückten (da verantwortungslosen) Masse ersetzt wird.

Hier wie dort muss man sich als Gast arrangieren. Im Blog tut man dies nur mit dem Blogbetreiber. Natürlich ist dieser Autokrat, aber das hat auch seine Vorteile: Man kann sehr genau einschätzen, was man hier zu erwarten hat, und man ist als Gast nicht verpflichtet (in der Regel aber im gewissen Rahmen berechtigt), zur Gestaltung beizutragen. Im Forum arrangiert man sich mit der gesamten Gemeinschaft, sowie mit dem Moderatorenteam. Hier trägt man, jedenfalls in kleineren Foren, eine deutlich größere Mitverantwortung für dessen Gestaltung – natürlich, ohne die Richtlinienkompetenz zu besitzen, die man auf seinem eigenen Blog hätte.

Foren und Blogs sind also unterschiedliche Dinge, aber sie besitzen auch sich überschneidende Funktionen. In einem Forum kann man einen Thread zu einem bestimmten Thema erstellen, mit einer Verlinkung, einer Umfrage, einer aufgestellten These oder sogar mit einer veröffentlichten Geschichte, und dann auf eine daraus entstehende Diskussion bzw. Feedback dazu hoffen. Das ist letztlich nicht viel anders, als wenn man auf seinem Blog einen Beitrag einstellt und die Kommentarfunktion aktiviert hat.

Ich habe beides probiert, und ein Blog erscheint mir hier als die klar bessere Alternative! Hier kann ich meine Beiträge weit besser präsentieren. Hier kann ich die Themen frei auswählen und die Diskussion gegebenenfalls nach meinen Vorstellungen moderieren. (Generell allerdings scheinen mir Menschen in Blogkommentaren etwas weniger zu Spam zu neigen als in Foren, die effektiv oft als Chatroom genutzt werden.) Außerdem haben Blogs dank der Arbeit von Suchmaschinen mehr „Laufkundschaft“ als Foren!

Für mich ist ein Forum der bessere Ort für Poster, die unregelmäßig, ohne besonderen Arbeitsaufwand und frei von Verantwortung ihren Senf abgeben wollen (Arbeitsaufwand und Verantwortung liegen dort natürlich bei den Forenbetreibern). Für Menschen mit einem größeren Mitteilungsbedürfnis, die Wert auf gewisse Standards bezüglich Präsentation und Diskussion legen, und die auch bereit sind, dafür entsprechend mehr Arbeit zu investieren, sehe ich ein Blog als weit bessere Lösung an.

Die Kommunikation mit anderen Menschen geht hier aber nicht vollständig verloren! Was man in einem Forum beim „Jumpen“ von Thread zu Thread oder Unterforum zu Unterforum bewerkstelligt, funktioniert in der Welt der Blogs durch Bookmarks und Verlinkungen. Ich habe zum Beispiel ein Lesezeichen zu Roman Möllers WordPress-Blog gesetzt, welches ich täglich benutze, weil ich dort häufig angenehm präsentierte Themen, die mich interessieren vorfinde und dort auch gerne mitdiskutiere. Ich verlinke immer mal wieder interessante Beiträge anderer Blogger.  Natürlich stellt dies eine weit größere Selektion dar als die Rezeption aller Threads in einem Forum, aber wie ich schon einmal dargelegt habe: Ich will nicht MEHR, ich will BESSERES! Erfahrungsgemäß findet man Qualität nun einmal in der Regel weit seltener in Foren- als in Blogbeiträgen. Außerdem muss man selbst in einem Forum, wenn dieses die erwünschte Größe erreicht hat,  bereits eine Auswahl treffen, womit man sich befasst, da es sonst einfach zu viel ist.

Übrigens gibt es auch bereits einen Trend zu verzeichnen, dass Forensoftware zuletzt immer stärker Blogs einbindet! Die Vorteile von Blogs gegenüber Forenthreads sind nun einmal substanziell. Gleichzeitig wird auch Blogsoftware entwickelt, welche Forenfunktionen für den Kommentarbereich zugängig macht (bei WordPress zum Beispiel wurde gerade diese Woche dies hier angekündigt), um eben die Optionen anzubieten, welche Forenbesucher schätzen.

Ich gebe zu, dass ich immer mal wieder vorübergehend Lust bekomme, ein Forum auf die Beine zu stellen, weil ich dessen Vorteile natürlich auch sehe. Meistens dauert es aber weniger als eine Minute, bis eine kleine Stimme in meinem Kopf mich fragt, ob ich denn wahnsinnig bin! Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag bei einem Forum lohnt sich meiner Ansicht nach nur bei kommerziellen oder halbkommerziellen Foren, welche dann redaktionellen Seiten wie Spiegel Online oder Daily MTG angeschlossen sind, der professionellen Entsprechung von Blogs.

Ich fürchte, dass das Forum seine ursprüngliche Funktion überlebt hat, nämlich ein Treffpunkt mehr oder weniger gleichgesinnter User in einer unübersichtlichen und unfreundlichen Netztwelt zu sein! Heute kann sich jeder den Bereich des Internets, in dem er (aktiv oder passiv) präsent sein will, dank Blogsoftware, Lesezeichen und Verlinkungen selbst bequem einrichten und Kontakt zu Gleichgesinnten über eine Vielzahl von Netzwerken (StudiVZ und so) und Kommunikationsprogrammen (ICQ, Twitter etc…) halten. Florierende Foren fungieren heutzutage hauptsächlich als erweiterte Kommentarfunktion zu redaktionellen Seiten, wie die beiderseitige Softwareentwicklung es auch zeigt.

Das Forum als basisdemokratischer Entwurf einer gleichberechtigten und produktiven Gemeinschaft hingegen ist für mich eine Illusion, ebenso wie die Idee einer funktionierenden Basisdemokratie generell, oder auch nur die Idee einer funktionierenden Gruppenarbeit ohne klar verteilte Kompetenzen.

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Posted in: Medien