Angst vorm Schwarzen Mann

Posted on Oktober 14, 2008


Ich hatte sowieso vor gehabt, heute etwas über Barack Obama zu schreiben, da bin ich auf diesen Beitrag bei Spiegel Online gestoßen.

Dabei wäre ich mit der Interpretation von Goffs Versuchen mit den Affengesichtern vorsichtig – der Schluss, dass Schwarze von Weißen als minderwertig angesehen werden, weil sie Assoziationen mit Affen in ihnen auslösen, erscheint mit, zumindest in dieser Allgemeinheit, gewagt. (Ich denke eher, dass ausgewiesene Rassisten oft absichtlich aus ihrem Überlegenheitsgefühl her einen Affenvergleich konstruieren, aber um diese geht es in der Studie ja nicht, sondern um „normale“ Weiße).

Menschen mit einer ungewohnten Physiognomie erscheinen uns fremdartig – das ist normal. Unsere Angst vor Menschen erkennbar anderer ethnischer Abstammung hängt damit zusammen, dass sie eben FAST „normal“ aussehen, aber eben nicht „ganz“, so wie ein Monster mit menschenähnlichen Zügen uns mehr Furcht einflößt als ein völlig fremdartiges: Wir können den Anblick nicht automatisch mit unserem Unterbewusstsein einordnen, welches sich bemüht, so rasch wie möglich eine Freund/Feind Klassifikation zu bedienen. Das macht uns vorsichtig und unsicher.

Affen besitzen menschenähnliche Züge, unterscheiden sich aber auch von uns. Deswegen haben Menschen aller Rassen immer wieder andere mit Affen verglichen, wir Weißen Schwarze ebenso wie Schwarze uns, und mit Asiaten ist es genau so. Das stellt gewiss latenten Rassismus dar, resultiert aber nicht aus dem Gefühl, der andere sei minderwertig, sondern daraus, dass man ihn als fremdartig ansieht. Wenn Goff nicht auch entsprechende Untersuchungen mit schwarzen Probanden anstellt, kann ich seine Schlüsse nur als voreilig betrachten – er hat das heraus gefunden, was er heraus finden wollte!

Worum es mir aber eigentlich geht ist das, was er zum Ende des Interviews sagt:

„Noch wichtiger aber ist, dass Obama nichts zustößt. Jeden Morgen schlage ich die Zeitung auf und gucke, ob es ihm gutgeht – und ihn nicht irgendein Irrer umgelegt hat.“

Genau das befürchte ich auch. Ich KANN mir einfach nicht vorstellen, dass Amerika wirklich reif für einen schwarzen Präsidenten ist. In diesem Land ist der Rassismus einfach dermaßen tief verankert, da muss man leider damit rechnen, dass irgendjemand sich dazu berufen fühlt, ihn zu ermorden. Ein Schwarzer an der Spitze des amerikanischen Volkes, das besitzt eine solche Symbolwirkung, darüber können Rassisten einfach nicht mehr hinweg sehen. Sie sehen sich im ständigen Kampf mit den Schwarzen, und ein schwarzer Präsident bedeutete das Eingeständnis ihrer Niederlage. Jeder potenziell gewaltbereite Rassist würde sich hiervon zum Äußersten treiben lassen, denn was gäbe es denn sonst noch? Obama im Präsidentenamt wäre die ultimative Provokation.

Noch können sich die Rassisten hinter der Hoffnung McCain versammeln (dem das eigentlich gar nicht wirklich Recht ist, so viel muss man ihm zugestehen). Was aber, wenn dieser unterliegt?

Ich weiß, dass Barack Obama nicht der Messias ist. Wir Europäer neigen dazu, demokratische Kandidaten zu idealisieren, weil sie eben die Alternative zu den Republikanern darstellen, die aus europäischer Sicht einfach völlig unakzeptabel sind, aber natürlich würde auch Obama typische amerikanische Politik machen, nicht viel anders als Clinton es auch getan hat – gemäßigter, vernünftiger, aber immer noch die von wirschaftlichen Interessen gelenkte und zur Not mit militärischen Mitteln durchgesetzte Politik einer Weltmacht. Die Frage ist nur, wie lange. Nein, ich KANN mir nicht vorstellen, dass er auch nur die erste Hälfte seiner Amtszeit überstünde – aber ich hoffe wirklich, ich irre mich! Die Folgen eines erfolgreichen Attentats auf Obama für die USA und im Sog dieser Ereignisse für die restliche Welt mag ich mir nicht vorstellen.

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Posted in: Politik