Kinder, die sich selbst missbrauchen

Posted on Januar 15, 2009


Ich hatte dieses Thema ja schon aus den Fingern verloren (nicht aus den Augen, und auch nicht aus dem Kopf – aber ich kam eben nicht mehr dazu, etwas dazu zu schreiben, vor allem, da ich nichts Fundiertes mehr dazu zu sagen wusste), aber jetzt drängt es sich mir wieder auf: Lest bitte einmal dies hier.

Und, was ist Eure Reaktion? Lasst mich raten: „Meine Güte, diese verrückten Amis!“

Na klar, was soll man auch sonst dazu sagen, wenn man so etwas liest: „Anfang Oktober bekannte sich ein fünfzehnjähriges Mädchen aus Ohio schuldig, kinderpornografische Fotos von sich selbst an ihren Freund geschickt zu haben. Das Urteil steht noch aus.“

Nun, vor eineinhalb Jahren habe ich diese drei Beiträge verfasst:

Das kann ICH jetzt nicht glauben!

Ein bisschen klüger bin ich jetzt

und

Noch etwas klüger, aber immer noch äußerst beunruhigt

Seitdem habe ich nichts mehr dazu geschrieben, einfach weil ich nichts mehr davon gehört habe – das Thema ist aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Aber ist es deswegen vom Tisch? Das KANN es eigentlich gar nicht sein, denn jene unsägliche EU-Richtlinie MUSS ja in nationales Recht umgesetzt werden! Tatsache ist, dass unsere Gesetzgebung sich in genau die selbe Richtung entwickelt wie die in Amerika. Jugendlichen wird ihr Recht auf eine eigenständige, selbstbestimmte sexuelle Entwicklung unter dem Deckmantel des Jugendschutzes und der Bekämpfung von „Kinderpornografie“ verweigert. Ja, auch in Deutschland soll (oder tut es bereits – ich weiß nicht einmal, ob dieses Gesetz unterdessen verabschiedet wurde!) ein Nacktfoto, welches eine 15-jährige – oder auch 17-jährige! – von sich selbst macht, als Kinderpornografie gelten. Zwar sind einige Entschärfungen geplant, nach denen Jugendliche miteinander in gewissem Rahmen solche Bilder austauschen dürfen, aber die führen in der Praxis zu absurden Fällen: So darf ein 17-jähriger ein Nacktfoto seiner (zum Zeitpunkt der Aufnahme) 17-jährigen Freundin besitzen – aber sobald er 18 wird, macht er sich damit des Besitzes der Kinderpornografie strafbar!

Wieder einmal hat sich eine Parole verselbständigt. Wer kann sich schon offen dagegen aussprechen, dass Kinderpornografie stärker verfolgt wird? Sofort kommen jedem diese abscheulichen Fälle in den Sinn, in denen achtjährige Mädchen oder Jungen vor laufender Kamera missbraucht oder gefoltert werden. Da muss doch etwas dagegen getan werden!

Tatsächlich aber wird wieder einmal die berechtigte moralische Entrüstung angesichts unfassbarer Verbrechen dafür benutzt, Menschenrechte abzuschaffen.

Jugendliche sind KEINE Kinder, und ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht dem von z.B. Achtjährigen gleichzustellen, ist ein Verstoß gegen ihre Menschenwürde! Dass das Gesetz unter 18-jährigen verbietet, sich zu prostituieren oder in kommerziellen pornografischen Produktionen aufzutreten, ist einsehbar, darf sich aber ausschließlich an Kriterien ihrer eingeschränkten Geschäftsfähigkeit orientieren.

Jugendlichen zu verbieten, untereinander Nacktfotos von sich auszutauschen, ist ein elementarer Angriff auf deren Grundrechte, der sich mit der Bekämpfung von Kindesmissbrauch in keiner Weise legitimieren lässt! Hier drückt unsere Gesellschaft Jugendlichen eine Sexualmoral auf, die nicht im geringsten ihrer Lebenswirklichkeit entspricht.

Nun helft mir einmal: Was ist genau aus dem damaligen Gesetzesvorhaben geworden? Wie ist die gesetzliche Lage in Deutschland zur Zeit genau? Bitte informiert mich – ich weiß, dass einige von Euch viel besser darin sind, relevante Informationen aufzustöbern!

Ein Nachtrag: Noch am selben Tag finde ich dann diese Meldung hier. Kann denn irgendjemand etwas dagegen haben, dass solche verbrecherischen Seiten blockiert werden (natürlich außer den Verbrechern, die sie ansteuern oder damit Geld verdienen)? Natürlich nicht! …aber dann erinnere ich mich daran, dass vor ein paar Tagen Facebook Bilder von stillenden Müttern gelöscht hatte. Wegen Obszönität. Und dann frage ich mich, ob Frau Von der Leyen hier eine Tür geschlossen, oder nicht eher eine geöffnet hat… Und ich muss an diese Geschichte hier denken. Und an den Karikaturenstreit. Und an die chinesische Pressezensur während der olympischen Spiele. Und ich wünschte wirklich, ich könnte einfach sagen, da gäbe es natürlich keine Parallelen… Nur leider bin ich nicht gut genug darin, mich selbst zu belügen.

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Posted in: Grundrechte