Schwarz ist am Zug

Posted on Januar 22, 2009


Vor ein paar Wochen hat meine Freundin mir einen Witz erzählt, den ich hier (mit einigen Veränderungen, da ich ihn nicht mehr genau in Erinnerung habe) wiedergeben will:

Petrus sitzt am Himmelstor und arbeitet geduldig die Schlange derer, die Einlass erwarten, ab. Im Himmel gibt es eine neue Verwaltungsvorschrift: Er soll ermitteln, welche Berufe die frischgebackenen Engel in ihrem irdischen Leben ausgeübt haben. Deswegen stellt er jedem Verstorbenen diese Frage:

„Wie heißt Du, und was hast Du für einen Beruf gehabt?“

Ein blonder, hünenhafter Schwede antwortet mit „Magnus Gustafsson, Holzfäller“. Eine füllige, südländische Frau sagt „Bianca Minestrone, Pizzabäcker“. Eine junge Japanerin gibt „Hisako Fujitsu, Software-Entwickler“ an. Dann aber schaut ein farbiger Mann Petrus trotzig in die Augen und sagt mit fester Stimme: „Barack Hussein Obama, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!“

Petrus ist verblüfft. „Moment einmal – ein Farbiger mit einem arabischen Vornamen soll Präsident der Vereinigten Staaten geworden sein? Wann ist das denn passiert?“

Resignierend gibt Obama zurück: „Vor fünf Minuten…“

Was bin ich froh, dass dieser Witz nicht Wahrheit geworden ist! Und tatsächlich, er legt sich auch bereits mächtig ins Zeug. Die Schließung von Guantanamo und amerikanischer Geheimgefängnisse sind höchst erfreuliche erste Amtshandlungen mit Symbolkraft. (Ja, natürlich laufen erst die Vorbereitungen dafür.)

Allerdings darf man nicht übersehen, dass Obama hier ebenso gut aus pragmatischen wie aus idealistischen Gründen gehandelt haben kann. Ein besseres Image in der Welt mag Amerika eben mehr im Kampf gegen den Terror helfen als diese Geheimdienstmethoden.

Auch ansonsten wird Obama die Welt zwangsläufig enttäuschen müssen – selbst, wenn er wirklich der moralisch blütenweiße farbige Präsident wäre, als der er teilweise verehrt wird, müsste er immer noch Realpolitik gestalten. Und wie lauter seine Motive tatsächlich sind, lässt sich auch nicht abschließend beurteilen. Seine Nähe zu evangelikalen Christen jedenfalls lässt Böses erahnen.

Trotzdem: Glück ist in der Hauptsache die Abwesenheit von Unglück, nicht wahr? Nach der Ära Bush ist Obama nichts weniger als ein Geschenk an die Welt. Freuen wir uns, ohne ZU viel zu erhoffen!

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Posted in: Politik