Parteienfrust

Posted on Februar 13, 2009


Ich werde wohl nie die Angelegenheit ablegen, Kommentare zu verfassen, die andere Leute als Blogeinträge klassifizieren würden… Bei Roman habe ich mir wieder einmal den Frust von der Seele geredet:

Ach Gottchen, ich bin ja jetzt seit ein paar Jahren Mitglied der Grünen, aber ich kann nicht einmal garantieren, dass ich die Jungs und Jungsinnen deswegen auch wähle… Ich bin halt irgendwie ein Spätzünder. Vor 25 Jahren hätte es Sinn gehabt, zu den Grünen zu gehen!

Heute weiß ich es echt auch nicht mehr. Wenn ich mein Gehirn ausschalte und einfach nur die Assoziationen auf mich wirken lasse, die der Klang des Namens bei mir auslöst, dann gefällt mir die SPD auch am besten. Das funktioniert aber auch nur, so lange ich keine zehn Sekunden darüber nachdenke, wofür diese Partei eigentlich tatsächlich steht… Die Grünen sind unterdessen dermaßen bürgerlich und pragmatisch geworden, dass man sie tatsächlich bisweilen mit der FDP verwechseln kann (mit anderen Worten, sie machen sich inhaltlich immer überflüssiger); die FDP macht schon seit Ewigkeiten keine Politik, sondern nur Lobbyarbeit; die Linke, die theoretisch die richtigen Impulse geben müsste, disqualifiziert sich selbst durch den Lafontaineschen Populismus und ihre Verbandelung mit der Alt-SED; und die CDU… nun ja: Die CDU ist mir immerhin weniger unsympathisch als früher, was allerdings auch nur graduell etwas heißen will, aber rein rational sehe ich immer weniger Unterschiede zur SPD (was erschreckend ist). Allerdings sollte alleine schon dieses “C” in ihrem Namen sie unwählbar machen… Himmelherrgott, in einem Staat mit einer demokratischen Verfassung sollte religiöse Identifikation in Parteinamen VERBOTEN sein! Naja, und außerdem ist da noch diese “Schwesterpartei”, die CSU, mit ihrem Anspruch “Rechts von uns darf es keine demokratische Partei mehr geben!”, was bedeutet, dass sie dem braunen Sumpf dadurch Nahrung entzieht, dass sie ihn über ihre eigenen erzkonservativen Wurzeln einsaugt… wobei lustigerweise Seehofer teilweise mit geradezu links anmutenden populistischen Forderungen kommt, eine Art Spiegelbild zu Lafontaine, der sich ja auch ganz gerne einmal zu rechten Parolen hin verirrt!

Wen man in dieser Parteienlandschaft wählen soll, ja, das ist schon eine gute Frage! Splitterparteien zu wählen, das ist effektiv wie nichtwählen (genauer: ungültig wählen), das bringt auch nichts. Und nach persönlicher Sympathie zu gehen, naja… da belügt man sich doch nur selbst. Ein erfolgreicher Politiker KANN einfach nicht wirklich sympathisch sein, höchstens ein guter Heuchler, denn sonst könnte er eben nicht erfolgreich sein – bei einer politischen Karriere ist ein guter Charakter weißgott eher hinderlich als hilfreich. Da kann man auch höchstens nach der Oberfläche gehen, so wie wir es zum Beispiel bei Obama tun oder bei Clinton getan haben (und dass ich amerikanische Präsidenten als Beispiel nehme, ist auch kein Zufall – die sind weiter weg, und man kriegt nicht so viel von ihnen mit! Deutsche Politiker sind mir auch nur dann sympathisch, wenn ich möglichst wenig von ihnen höre).

Einer Partei seine Stimme zu geben, das ist so, als wenn man sich auf dem Hauptbahnhof eine Kabine zum Kacken aussucht: Es muss halt sein, denn in die Hose machen ist auch keine bessere Alternative, aber eklig wird es in jedem Fall. Also nimmt man die, die am wenigsten stinkt und hofft, dass sie keine unerwartete Überschwemmung verursacht…

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Posted in: Politik