Über die wichtigste Nebensache der Welt

Posted on März 2, 2009


Immer hat man halt keine Lust, über wichtige Themen zu schreiben – warum also nicht zur Abwechslung mal über Fußball? Schließlich beschäftige ich mich häufig gedanklich damit, also kann ich auch darüber bloggen!

Auslöser war der Titel einer Spiegel-Online-Kolumne von Peter Ahrens: Klinsmanns Kapitalvernichtung. Und darin hat besonders eine Aussage von ihm besonderen Nachhall in mir gefunden:  „[Klinsmann]…hat auch nach acht Monaten Übungsleitung keinen einzigen Spieler in seiner Entwicklung weitergebracht.“

Das drückt genau das aus, was ich schon lange denke: Der FC Bayern verheizt seine Talente! Wie war das mit Jan Schlaudrauff gewesen, der bei Alemannia Aachen sensationell gespielt hatte? Er bekam kaum jemals eine Einsatzchance und wurde dann nach Hannover weitergereicht, wo er jetzt endlich zu alter Form wiederfindet. Marcell Jansen, immerhin bereits in der Nationalmannschaft zu finden? Spielt jetzt in Hamburg zusammen mit einem anderem ehemaligen Münchner, Piotr Trochowski, um die Meisterschaft mit. Lukas Podolski? Nun, ich glaube, jeder der sich genügend für Fußball interessiert, um diesen Beitrag bis hierhin gelesen zu haben, weiß, wie das abgelaufen ist: Poldi hat hinter Toni und Klose nie eine wirkliche Chance bekommen, nicht einmal während der Endlos-Krise von Klose letztes Jahr. Kroos wurde an Leverkusen ausgeliehen. Was ist mit Hamit Altintop, der auch bei den Bayern zwichendurch einige tolle Spiele gezeigt hatte? Man sieht ihn kaum noch. Er und Tim Borowski sind wohl die nächsten Spieler, die dem FC Bayern den Rücken kehren werden, weil sie sich dort nicht durchsetzen konnten.

Woran liegt das – ist der FC Bayern wirklich eine derart große Herausforderung, dass auch Talente, die in anderen deutschen Topvereinen Leistungsträger stellten, einfach nicht gut genug sind? Aber wenn das so ist – wieso wird dann so viel eingekauft? Geht es tatsächlich nur darum, den anderen Vereinen gute Spieler wegzunehmen? Das KANN eigentlich, schon alleine aus dem Preis-Nutzen-Verhältnis heraus, nicht der Fall sein.

Es gibt da diesen Begriff: „Perspektivspieler“. Wenn ich den richtig deute, bezeichnet man damit Spieler, die noch nicht ganz den Level erreicht haben, einen Stammplatz zu beanspruchen, aber kurz vor ihrem Durchbruch stehen… wenn man sie spielen lässt, heißt das! Und zwar nicht erst ab der 70. Minute, begleitet von den Worten „na, dann zeig‘ mal was Du kannst – nutze Deine Chance!“, sondern von Anfang an, als fester Bestandteil der Mannschaft, mit der sich daraus ergebenden Verantwortung.

Dazu muss man natürlich rotieren! Wenn ein Lahm und ein Jansen beide auf der selben Position spielen würden, dann muss eben manchmal Lahm und manchmal Jansen von Beginn an spielen. So machen das die britischen Topvereine, deren Team Manager auch absolut bereit sind, gelegentliche Niederlagen zu riskieren, wenn sie dabei langfristig ein stärkeres Team aufbauen.

Zu Beginn der Saison scheint Klinsmann das versucht zu haben, doch als der FC Bayern dann einige schlechtere Ergebnisse einfuhr, wurde er zurückgepfiffen. Beim großen FC Bayern hat es der Mann, der im Alleingang die DFB-Strukturen umkrempeln durfte, und der vermutlich doch gerade wegen dieser Fähigkeit geholt wurde, nicht geschafft, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Warum das wohl so ist? Nun, der FC Bayern ist halt ein Wirtschaftsunternehmen mit dreistelligen Millionenumsätzen im Jahr. Da lassen sich die Chefs nicht einfach das Heft aus der Hand nehmen! Die Nationalmannschaft hingegen ist im Wesentlichen ein Prestige-Objekt. Hier konnte man, nachdem ihr Image im Anschluss an jene oberpeinliche EM damals auf dem Tiefpunkt angelangt war, jedes Risiko eingehen, und Klinsmann durfte schalten und walten.

Dabei habe ich mich schon öfter gefragt, wieviel Anteil an der spielerischen Renaissance des DFB-Teams eigentlich Klinsmann selbst hatte, und wie viel sein Assistent Löw, der nach seinem Abgang sogar noch erfolgreicher agierte als Klinsmann selbst! War Klinsmann vielleicht in Wirklichkeit hauptsächlich für das Image da gewesen, und Löw hatte die Arbeit gemacht? Beim FC Bayern jedenfalls – und auch da gebe ich Ahrens Recht – wirkt er farb-, ja geradezu hilflos. Man erhält wirklich nicht den Eindruck, dass er eingeklemmt zwischen den Großkopferten Rummenigge und Hoeneß auf der einen, und dem mächtigen Mannschaftsrat und den Stars auf der anderen Seite viel bewegen könnte.

Die Aufstellung beim FC Bayern, die kann zur Zeit jeder Fan (ich würde mich nicht einmal unbedingt als „Fan“ bezeichnen) mühelos machen, wenn kein Spieler verletzt ist: Rensing, Lahm, Lucio, Demichelis, Oddo, Ze Roberto, Van Bommel, Schweinsteiger, Ribery, Klose, Toni. Den vorhandenen Alternativen wird, wie schon seit Jahren, deutlich klar gemacht, dass sie nicht wirklich eine Chance auf einen Stammplatz besitzen. In Kurz- und Verlegenheitseinsätzen kann sich den kein Spieler erkämpfen. Die Hierarchie ist nicht in Gefahr – nicht einmal ansatzweise.

Unter diesen Umständen sollte es sich jeder Spieler wirklich sehr genau überlegen, ob er zu den großen Bayern wechseln will! Sie SIND immer noch die deutsche Nummer eins, und ich glaube nicht, dass sich das mittelfristig ändern wird. Für „Perspektivspieler“ sind sie aber hauptsächlich eines: Ein Karriereknick.

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Posted in: Sport