Sollen Soldaten den ganzen Spaß haben?

Posted on April 3, 2009


Wieder einmal hat sich ein politisch hochrangiger Dummkopf zum Thema „Killerspiele“ geäußert.

Spektakulär besonders die letzten Sätze dieser offiziellen Pressemitteilung:

„Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.“

Wow. Killerspiele, Kinderpornos und Drogen! (Welche Drogen eigentlich? Cannabis? Alkohol? Nikotin? Aber „Killerspiele“ werden ja auch nicht genau definiert, und „Kinderpornos“ können ja neuerdings auch Fotos von 17-jährigen im Bikini am Strand sein, wenn sie in der falschen Körperhaltung daliegen…) Wenn ich so etwas lese, dann wird mir wieder bewusst, dass ich im Zweifelsfall lieber frei abrufbare Kinderpornos, Anleitungen zum Selbstbasteln von Bomben und Aufrufe zum Völkermord im Internet toleriere, als geistesschwache Populisten wie diesen Vorzeigekonservativen ohne Einzelfallprüfung darüber bestimmen zu lassen, welche Inhalte gesperrt, zensiert oder verboten werden!

Nach kurzem Nachdenken ist es aber noch eine andere Passage dieser Mitteilung, welche ihre Idiotie besonders klar herausstellt:

„Mit derartiger Tötungstrainingssoftware, die zum Beispiel von der US-Army zur Vorbereitung von Soldaten auf Kampfeinsätze verwendet wird, dürfen in Deutschland keine Geschäfte mehr gemacht werden.“

Moment einmal… Bereiten wir hier in Deutschland nicht auch Soldaten auf Kampfeinsätze vor? Gibt es da nicht sogar so etwas wie eine Verpflichtung für männliche Jugendliche, Dienst an der Waffe abzuleisten? Einen Moment, wie hieß das noch einmal… ich hab’s gleich… ach ja richtig: WEHRPFLICHT!

Und jetzt diesen Satz hier noch einmal:

„Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet.“

Moment einmal: Haben wir es hier etwa mit einem CSU-Politiker zu tun, der die allgemeine Wehrpflicht abschaffen will? Oder gar mit einer Kuh, die Eier legt? Nein, bleiben wir ernst:

Mit einer Plastikmaus und den Tasten eines Computer-Keyboards unter den Fingern Pixelfiguren auf einem Computer zu erschießen, das widerspricht dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft. Junge Männer dazu zu verpflichten zu lernen, wie sie mit echten Schusswaffen umgehen, hingegen nicht. Ach so!

Wahrscheinlich geht das mal wieder nur mir so, aber ich fühle mich in der Gesellschaft von einem Dutzend „Killerspiel“-Zockern im Zweifelsfall immer noch wohler, als in der Gesellschaft von einem Dutzend Wehrpflichtiger, denen man gerade gezeigt hat, wie eine Maschinenpistole funktioniert. Selbst dann, wenn die Zocker einen ganzen Raum vernetzter Computer haben und die Wehrpflichtigen nur eine einzige Schusswaffe. Irgendwie habe ich vor Feuerwaffen mehr Angst als vor Computermäusen…

Aber zum Thema „Killerspiele“ habe ich hier noch ein sehr interessantes Link für Euch!

Ist das nicht ein obercooles Spielzeug? Dagegen ist eine Partie Counterstrike oder Gotcha! ja echt… äh… ein Verstoß gegen den Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft, richtig!

Also, die Moral von der Geschichte: Wer Spaß am Ballern haben will, der soll zur Bundeswehr gehen! (Das gleiche gilt – habe ich gerüchteweise gehört – übrigens auch für Spaß mit Drogen.) Hey, auf einmal scheint die Position der CSU ja doch fast schon wieder Sinn zu ergeben…

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Posted in: Gesellschaft