Kontra Gehirnwäsche

Posted on April 21, 2009


Wenn Ihr keine Berliner seid, versteht versteht Ihr möglicherweise gar nicht, worum es hier geht.

Nun, schlicht gesprochen habe ich in dieser Stadt eine Errungenschaft genossen und für selbstverständlich gehalten, die offensichtlich deutschlandweit alles andere als selbstverständlich ist, nämlich den freiwilligen Religionsunterricht! (Und das bedeutet, dass ich ihn den größten Teil der Zeit NICHT genossen habe, eben WEIL er freiwillig war. Tatsächlich hatte ich mich sogar eine Zeit lang dort hinein gesetzt, bis ich zu dem Schluss gekommen war, dass ich diese Zeit sinnvoller verwenden konnte.)

An Stelle eines verpflichtenden Religionsunterrichts gibt es bei uns schon seit längerer Zeit das Fach Ethik, also ein Fach, welches sich mit moralischen Fragen und bestehenden Weltanschauungen von einem neutralen Standpunkt aus beschäftigt und konfessionell nicht gebunden ist. (Zusätzlich besteht weiterhin die Möglichkeit für Schüler, einen Religionsunterricht für ihre Konfession zu besuchen, aber eben FREIWILLIG.) Ich gebe zu, ich bin nicht einmal auf die Idee gekommen, dass dies ein Berliner Sonderweg sein könnte! So scheint es aber zu sein, und diese freiheitliche und humanistische Errungenschaft versucht die Initiative „Pro Reli“, ein faszinierendes Zweckbündnis aus Christen, Juden und Muslimen, nun wieder rückgängig zu machen! (Dabei ist es keineswegs so, dass es nicht auch innerhalb dieser Kirchen und Konfessionen Gegner jener Initiative gäbe, das muss ehrlicherweise erwähnt werden.) Statt dessen wünscht diese Initiative die Einführung eines Wahlzwanges zwischen Religion und Ethik – ENTWEDER Religion ODER Ethik, aber nicht beides. Das bezeichnen sie dann frecherweise als „Freiheit“!

Man muss eigentlich nicht weiter denken können, als unsere Bundeskanzlerin hopsen kann, um zu erkennen, dass diese „Freiheit“ in der Praxis für viele Schüler bedeutet, dass sie den Ethikunterricht nicht besuchen dürfen und den Religionsunterricht besuchen müssen. Erwartet ernsthaft jemand, dass ein Kind aus einer religiösen Familie sich mit seinem Wunsch, Ethik zu wählen, durchsetzen könnte? Und woher sollte es überhaupt diesen Wunsch haben, wenn es doch aus seinem Umfeld diese Religion bereits als „seine“ Weltanschauung und selbstverständliche Lebensweise kennen gelernt hat? Diese „Freiheit“ ist genau so eine Mogelpackung wie eine nicht geheime politische Wahl! Weswegen ist denn die VERPFLICHTEND geheime Wahl ein wesentlicher Bestandteil jeder echten Demokratie? Diese Frage würden unsere Politiker uns gewiss alle beantworten können! Wie können sie dann (und zu den Unterstützern von „Pro Reli“ gehören schändlicherweise unter anderem Frau Merkel, aber zum Beispiel auch Wolfgang Thierse) eine solche Wahl Schulkindern zumuten?

Ganz offensichtlich, weil sie diesen undemokratischen Druck WOLLEN! Ich will hier gar nicht die Argumente der Gegner jener „Pro Reli“ Initiative anführen, sondern lieber einige ihrer BEFÜRWORTER zitieren:

„Es kann nicht sein, dass eine solche neutrale Ethik gegenüber einem Bekenntnisunterricht bevorzugt wird“, sagt „Pro-Reli“-Gründer Christoph Lehmann.

„Ich kann einer anderen Weltanschauung nur mit Respekt begegnen, wenn ich weiß, wo ich stehe“, sagt Generalsekretär Stephan J. Kramer.

Neutralität wird abgelehnt, und Kinder haben gefälligst zu wissen, „wo sie stehen“, BEVOR sie etwas darüber lernen, was es bedeutet, dort „zu stehen“! Die Gehirnwäsche, der Kinder, die in einem religiösen Umfeld seit ihrer Taufe/Beschneidung /wasweißich ununterbrochen ausgesetzt sind, muss ausreichen, damit Kinder „ihre“ Weltanschauung finden, und ein neutraler Ethikunterricht darf diese vorgefassten Standpunkte auf gar keinen Fall in Gefahr bringen!

Genau das und nichts anderes ist diese „Pro Reli“-Initiative: Die Forderung nach einem Recht auf ungehinderte Gehirnwäsche bei Kindern seitens Eltern und Kirchen! Den Kindern darf nicht einmal die MÖGLICHKEIT gegeben werden, sich unvoreingenommen mit der ihnen anerzogenen Religion auseinander zu setzen. Mixa ist überall. (Wusstet Ihr eigentlich, dass „unser“ Papst zu seinen Zeiten als Kardinal den eigentlich von der Kirche längst aufgehobenen Bann gegenüber den Freimaurern weiterhin als gültig erklärt hat? Zieht Euch das einmal rein – „Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen.“ Na, wie gut dass Goethe, Lessing, Benjamin Franklin oder George Washington keine Katholiken waren! Doch der arme Mozart, der lebte im „Stand der schweeren Sünde“! Aber das gehört hier eigentlich nur halb hin – immerhin demonstriert es, dass Humanismus und Religion unversöhnliche Gegensätze sind.)

Solltet Ihr Berliner sein, dann habt Ihr diesen Sonntag die Möglichkeit, diesen Schritt zurück Richtung Mittelalter zu verhindern, indem Ihr mit NEIN stimmt! Dieses NEIN ist ein „ja“ zur tatsächlichen Wahlfreiheit unserer Kinder, die wenigstens in der Schule Religionen aus neutraler Sicht präsentiert bekommen sollen, um sich eine eigene Meinung darüber bilden zu können. (Und – darauf sei noch einmal hingewiesen – die in jedem Fall auch ihren konfessionellen Religionsunterricht besuchen können, aber eben FREIWILLIG, oder halt wenigstens so freiwillig, wie dies einem Kind aus dem entsprechenden Umfeld möglich ist.) Auch die Gegeninitiative „Pro Ethik“ fordert NICHT die Abschaffung des Religionsunterrichtes an Schulen (auch wenn diese Verbandelung von Staat und Religion eigentlich ein Schandfleck unserer angeblich freiheitlichen und säkularen Gesellschaft ist), sondern lediglich die Beibehaltung des Pflichtfaches Ethik als Mittel der objektiven, unvoreingenommenen Vermittlung weltanschaulicher Thematiken.

Geht hin und stimmt mit NEIN – gegen das Recht auf Gehirnwäsche!

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Posted in: Religion