Schimpfen, nicht fluchen!

Posted on Oktober 4, 2009


Ich will einmal eine Eigenheit von mir ansprechen, die immer wieder für Irritationen sorgt: Ich konzentriere meine Kritik in der Regel nicht auf diejenigen, bei denen es am meisten zu kritisieren gibt! Wenn eine Partei mit meinen Ansichten völlig inkompatible Ziele verfolgt, dann setze ich mich nicht ausführlich mit jeder neuen Kleinigkeit auseinander. Für mich ist es sinnlos immer wieder aufzuzeigen, wieso ich grundsätzlich anderer Meinung bin – ab und zu einmal auf die grundlegenden Widersprüche hinzuweisen muss genügen. Deswegen fokussiere ich mich auch aktuell auf die SPD, denn im Gegensatz zur CDU hat diese Partei mich massiv ENTTÄUSCHT – die CDU und die FDP tun genau das, was ich von ihnen erwarten muss, aber von der SPD erwarte ich Besseres, und hier kann ich zumindest hoffen, dass sich etwas zum Guten ändert.

So ähnlich ist es auch in anderen Bereichen. Ich rege mich mehr darüber auf, wenn ein Autor, Musiker oder Filmemacher, von dem ich weiß, dass er zu Besserem fähig ist, hinter seinen Fähigkeiten zurückbleibt, als wenn jemand, bei dem Hopfen und Malz verloren ist, das wieder einmal beweist. Und auch im Privatleben können Menschen mich nur dann enttäuschen, wenn ich nicht bereits vorher eine schlechte Meinung von ihnen hatte.

Für mich ist Schimpfen, im Gegensatz zum Fluchen (was ich selten tue), kein Zeichen von endgültiger Resignation. Kritik ist für mich etwas grundsätzlich Konstruktives; sie drückt die – wenn auch möglicherweise geringe – Hoffnung aus, dass sich etwas bessern kann.  Jemanden ins Gewissen zu reden, der keines hat; von jemandem Leistungen zu fordern, die zu erbringen er nicht in der Lage ist – das hat keinen Wert. Es darf nicht in erster Linie darum gehen, die auffallendsten Mängel anzuprangern, sondern die behebbaren. „So schlimm ist es doch gar nicht!“ – das ist die gefährlichste Einstellung von allen, weil sie dazu verführt, Vergleiche mit denjenigen anzustellen, die es gar nicht besser können oder wollen! Verbessern kann man jedoch nur, worauf man Einfluss hat; und nur an den hier vorhandenen Möglichkeiten darf man seine Erwartungen messen.

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Posted in: Erkenntnisse