Eine nobulöse Preisvergabe

Posted on Oktober 10, 2009


Offenbar bin ich ja bei Weitem nicht der Einzige, der noch nie zuvor etwas von Herta Müller gehört hatte, aber das ist schon in Ordnung – sie soll ja für die Qualität ihrer Werke geehrt werden (die ich natürlich erst recht nicht beurteilen kann, aber ich muss wohl nicht bezweifeln, dass sie sehr gute Bücher geschrieben hat) und nicht für ihre Popularität, sonst müsste der Literaturnobelpreis ja an Wolfgang Hohlbein, Dan Brown oder Joanne Rowling gehen – nicht wahr?

So jedenfalls lautet mein Verständnis dieses Preises: Qualität, nicht Popularität sollte ausgezeichnet werden! Und eigentlich hätte ich genau das auch beim Friedensnobelpreis erwartet, aber, tja…

Sicher: So wie die allermeisten Europäer habe ich mich sehr gefreut, dass Obama die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen hat, aber eben auch sofort vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Obama ist ein Hoffnungsträger, und die in ihn gesetzten Hoffnungen sind so groß, dass er sie niemals erfüllen kann, aber nichtsdestotrotz ist ein US-Präsident, der Hoffnungsträger ist, natürlich sehr viel wert!

Aber… den Friedensnobelpreis? Wofür?

Um den Vergleich zum Literaturnobelpreis zu ziehen: Obama hat ja noch gar nichts geschrieben – na gut, vielleicht die eine oder andere Kurzgeschichte, aber auf die Veröffentlichung seines ersten Romans warten wir doch alle noch!

Ich kann diese Entscheidung des Preis-Komitees nicht nachvollziehen,  zumindest aber absolut nicht gutheißen! Dieser Preis stellt bestenfalls eine Verpflichtung dar, formuliert eine Erwartungshaltung – mit anderen Worten, der amerikanische Präsident soll für die eigenen Zwecke vereinnahmt (oder, wie man heute gerne formuliert, instrumentalisiert) werden! Obwohl ich diese Zwecke natürlich unterstütze, ist das eine bodenlose Unverschämtheit und vor allem politisch unklug:

Auch wenn die Vereinigten Staaten von Amerika als die de facto letzte übrig gebliebene Weltmacht große Verantwortung für unseren gesamten Planeten tragen, ist der amerikanische Präsident doch immer noch der AMERIKANISCHE Präsident, und seine Politik muss er in den USA durchsetzen und rechtfertigen. Ein Präsident, der den Anschein erweckt, dass er sich europäischen Wünschen beugt, anstatt die Interessen des Landes, dem er vorsteht zu wahren, wird nicht lange politisch handlungsfähig bleiben. Es ist einfach zu offensichtlich, dass Obama noch gar nichts getan HAT, um sich diese Auszeichnung zu verdienen, und somit stellt sie eher eine Hypothek als eine Hilfe dar.

Meiner Ansicht nach wäre das Klügste, was Obama tun könnte, diesen Preis höflich und dankend, aber bestimmt abzulehnen, indem er in aller Bescheidenheit darauf hinweist, dass er noch keinerlei Leistungen erbracht hat, die seinen Erhalt rechtfertigen; dies jedoch als Ansporn begreift, ihn sich im Verlauf seines weiteren politischen Handelns zu verdienen. Vielleicht würde dann auch das Preis-Komitee noch einmal über die Sinnfälligkeit voreilig erteilter Heiligenscheine nachdenken!

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Posted in: Politik