I had a dream

Posted on November 11, 2009


Meine Träume sind ja in der Regel derart beschaffen, dass sie zwar, während ich sie träume, Sinn zu ergeben scheinen, doch sobald ich aufwache und sie zu rekonstruieren versuche, in immer unzusammenhängendere Fragmente zerfallen; und meine Versuche, die mir im Traum noch logisch erschienenen Verbindungen zwischen diesen zu konstruieren, werden mit der verstrichenen Zeit immer hoffnungsloser. Es ist tasächlich ein wenig so, als wenn ich beim Aufwachen aus einer Realität zurückkehrte, in der schlicht andere Gesetze gelten, und deren Geschehnisse im Wachzustand bedeutungslos, zumindest aber unsinnig sind.

Trotzdem will ich Euch aber von einem Teil meines Traums heute Nacht erzählen, den ich besonders interessant finde, und der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Ich hoffe, ihm bei der Rekonstruktion möglichst treu zu bleiben.

Ich befand mich in der Zukunft – oder vielleicht befand ich mich auch nicht darin, sondern beobachtete nur das Geschehen. Da waren zwei Kinder, Geschwister, die irgendwie in die Situation geraten waren, ohne ihre Eltern das Gefährt steuern zu müssen, welches in jener Zukunft die Rolle des Automobils einnahm. Natürlich war dieses vollautomatisch und computerisiert, und ich bin mir ziemlich sicher, dass es zumindest fliegen, wenn nicht sich sogar teleportieren konnte, und dass man jeden Ort auf der Welt in kurzer Zeit damit erreichen konnte.

Das ältere der beiden (sehr jungen) Kinder erklärte dem jüngeren, wie dieses Gefährt funktionierte: Man gab den Ort zu dem man wollte ein, sowie die gewünschte Ankunftszeit. (Ja, auch diese, so wie auf der BVG-Seite – im Traum ergab das Sinn, warum auch immer, aber eine Zeitmaschine war jenes Gefährt nicht.) Dann sagte einem der Bordcomputer, ob diese Fahrt möglich war, und schlug ansonsten eine andere Ankunftszeit vor. (Die Route plante er offensichtlich selbständig.)

Nun aber wurde es wirklich merkwürdig: Nach der Eingabe erschien auf dem Bildschirm eine Meldung, welche die Insassen daran erinnerte, dass dieses Gefährt im Zuge einer zusätzlichen Nutzungsvereinbarung mit einer Sponsorfirma billiger erworben worden war (so ähnlich wie damals, als ich meinen Computer kaufte und um ca. 100 Euro billiger erhielt, weil ich gleichzeitig einen Vertrag mit AOL als meinem Internetanbieter abschloss – selbst schuld, ich weiß). Diese Firma war ein Hersteller von Zigaretten, und die Nutzungsvereinbarung bestand darin, dass die Fahrt (abhängig von ihrer Gesamtlänge, denke ich), ein- oder mehrmals für eine Zigarettenpause unterbrochen werden musste und erst fortgesetzt werden konnte, wenn eine Zigarette der entsprechenden Marke tatsächlich geraucht worden war. Daraufhin begannen die Kinder zu überlegen, wie man eine Zigarette rauchte.

Ich wachte auf.

Absurd? Schon – aber absurder als die Dinge, die in der Welt tatsächlich passieren? Auf unseren Straßen hängen überall Reklameplakate für stark gesundheitsschädliche und süchtig machende Drogen. Unsere Fernsehsendungen werden routinemäßig von Werbeeinblendungen unterbrochen. In unseren Schulräumen hängen Kruzifixe.

Es ist alles eine Frage der Gewohnheit. Unsere Gesellschaft akzeptiert Reklame, Propaganda und Gehirnwäsche längst als Teil der Normalität, und es werden immer mehr Schwellen überschritten: Menschen aller Gesellschaftsschichten prostituieren sich im Reality TV. Radiohörer lassen sich dazu konditionieren, sich am Telefon immer mit einem Werbeslogan zu melden, weil sie damit einen Preis gewinnen könnten. Sportler schließen Werbeverträge ab, die ihnen vorschreiben, welche Erfrischungsgetränke sie konsumieren dürfen.

Besitzen wir Menschen unseren freien Willen und unsere Fähigkeit, selbständige Entscheidungen zu treffen nur, um sie für ein Handgeld zu veräußern?

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Posted in: Gesellschaft