Ein Anruf von O2

Posted on Juni 16, 2010


Heute morgen, um kurz nach neun Uhr, klingelte mein Telefon. Eine Dame, deren Name mir nicht bekannt war, und den ich mir auch nicht gemerkt habe, meldete sich und fragte, ob ich Andreas Pischner sei. Als ich dies bejahte, stellte sie sich als Mitarbeiterin von O2 (dem Anbieter meiner Telefon- und Internetflatrate) vor und fragte mich, ob ich Verbesserungsvorschläge für meinen Vertrag hätte.

… was antwortet man da? Das einzige, was mir auf Anhieb eingefallen ist, wäre „ich würde gerne weniger zahlen“ gewesen. Da ich mir nicht vorzustellen vermochte, dass dieser Wunsch unsere Unterhaltung in eine sinnvolle Richtung lenken könnte, verkniff ich ihn mir und antwortete stattdessen „danke, im Moment nicht“, in der Annahme, dass damit das Gespräch beendet sein müsste.

War es aber nicht, denn jene Dame entgegnete mir im triumphierenden Tonfall: „Na, das ist doch wunderbar – offenbar machen wir ja alles richtig, wenn unsere Kunden mit uns dermaßen zufrieden sind, dass sie keinerlei Verbesserungsvorschläge haben!“ Ich fühlte mich überrumpelt und ausgetrickst (was daran lag, dass ich gerade überrumpelt und ausgetrickst worden war) und protestierte: „Jedenfalls nicht, wenn ich morgens um neun angerufen werde…“

Das war dann wohl ein Fehler gewesen – solcher Widerspruch stand mir als Befragtem offensichtlich nicht zu! „Tut mir Leid, ich kann ja nicht wissen, dass Sie um diese Zeit noch im Bett liegen. Andere Leute arbeiten da längst! Aber dann lege ich mal besser auf, damit Sie rasch wieder einschlafen können“ schnappte es mir aus dem Hörer entgegen.

Es kommt ja wirklich nicht oft vor, dass ich sprachlos bin; aber diesmal war es so – zumindest lange genug, dass die Dame am anderen Ende unterdessen tatsächlich aufgelegt hatte. (Nicht, dass ich damit nicht einverstanden gewesen wäre.)

Dass ich mich gar nicht in meinem Bett befand, sondern schon halb auf dem Weg zur Arbeit, tut hierbei eigentlich nichts zur Sache. Auch die Frage, warum die Frau von O2 mich eigentlich anrief, wenn sie doch davon ausgehen musste, dass ich mich beim Arbeiten befand, will ich einmal beiseite lassen. Aber was für eine unglaubliche Unverschämtheit war das denn gewesen?

Und welchen Zweck sollte dieser Anruf eigentlich haben? Ich musste sofort an einen Werbespot in folgender Art denken: „99% unserer Kunden sind mit unseren Angeboten vollauf zufrieden…“ Nun ja; ich bin ja eigentlich nicht unzufrieden. Das liegt möglicherweise schlicht daran, dass ich mir nicht die Mühe mache, meinen Tarif mit anderen zu vergleichen. Mit der Art und Weise, wie O2 seine Kunden „betreut“, bin ich hingegen äußerst unzufrieden! Natürlich könnte ich mich jetzt bei O2 darüber beschweren. Realistisch gesehen hätte dies jedoch noch weniger Sinn, als einen Blogeintrag darüber zu verfassen. Also tue ich eben das.

Es ist aber schön zu wissen, dass jene Dame offensichtlich einer Arbeit nachgeht, welche ihr solche Freude bereitet, und die sie dermaßen kompetent erledigt. Das ist doch viel besser, als wenn sie arbeitslos wäre, von Hartz IV lebte und morgens um neun noch faul im Bett läge. Nicht wahr? Solche Arbeitsplätze braucht unser Land! Und die finanzieren unsere Bürger mit ihren Telefongebühren auch viel lieber als Arbeitslose mit ihren Steuern. Stimmt’s?

Advertisements
Verschlagwortet: , , , ,
Posted in: Rezension, Wirtschaft