Eine rasche WM-Zwischenbilanz

Posted on Juni 22, 2010


Ach, Fußball ist doch toll – das merke ich schon daran, wie oft und gerne ich darüber blogge! Bei Themen wie der Ölpest im Golf von Mexiko oder den geplanten Sozialkürzungen unserer Bundesregierung werden mir immer rasch die Finger schwer, noch bevor ich mich vor die Tastatur setze – die sind einfach zu wichtig, um mal kurz zwischendurch drauflos zu bloggen. Aber beim Fußball, da geht das!

Zunächst einmal: Von den 32 Teams haben bislang nur vier in beiden Partien wirklich guten Fußball gezeigt: Argentinien, Deutschland, Brasilien und Spanien. Davon haben nur Argentinien und Brasilien auch tatsächlich beide Spiele gewonnen. Mannschaften wie die Niederlande, Chile, Mexiko, Uruguay oder Paraguay haben zwar ordentlich gespielt und auch gute Ergebnisse eingefahren, aber wenn man sich einmal von den nackten Zahlen löst und objektiv die spielerische Leistung bewertet, befinden sie sich nicht auf dem gleichen Level. Es ist einfach furchtbar:  Da gurken Mannschaften wie die Schweiz oder Serbien fast die gesamte Spielzeit nur in der eigenen Hälfte herum und schießen dann vorne mehr (Schweiz) oder weniger (Serbien) glücklich ein Tor und werden plötzlich stark geredet! Und dann ist da noch Portugal, das ein schwaches, aber eben auch ein sehr starkes Spiel gezeigt hat. Besonders im Vergleich mit dem, was England, Frankreich und Italien geboten haben, kann ich die überzogene Kritik an unserem Team nach dem Serbienspiel überhaupt nicht nachvollziehen.

Eine andere Kritik hingegen kann ich sehr wohl nachvollziehen, und das ist diejenige an der FIFA und den Schiedsrichtern: Sowohl das Reglement selbst, als auch die höchst uneinheitliche und häufig schlicht fehlerhafte Ausleglung desselben durch die Schiedsrichter sind einer WM schlicht nicht würdig. Ich will Euch hier eine absolut schockierende Bilanz präsentieren:

Von den bisherigen 32 Partien wurden 10 (ZEHN) nicht mit 22 Spielern beendet. In beinahe einem Drittel aller Spiele gab es also einen Platzverweis! Diese WM wird offensichtlich durch die Schiedsrichter entschieden. Die Reduzierung einer Elf auf eine Zehn darf niemals zum Normalfall werden! Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Warum man nicht von anderen Sportarten lernt, in denen es Zeitstrafen gibt oder des Platzes verwiesene Spieler auswechseln kann, ist mir schleierhaft – vermutlich ist der Grund dafür die selbe Renitenz überalterter FIFA-Funktionäre, mit der sie sich auch gegen den Videobeweis oder den Chip im Ball sträuben – alles mit der Begründung, der „menschliche Faktor“ im Fußball dürfe nicht verloren gehen, die aber letztlich nur bedeutet, dass die Schiedsrichter häufig stärker im Mittelpunkt stehen als die Spieler.

Das ist aber absolut das Gegenteil von dem, was dieses Spiel braucht! Ein guter Schiedsrichter ist ein Schiedsrichter, der möglichst wenig auffällt, und Situationen, in denen darüber diskutiert werden muss, ob der Schiedsrichter das Spiel entschieden hat (was in Südafrika mindestens bei der Hälfte aller Partioen der Fall war!), dürfte es eigentlich gar nicht geben. Die ganze Absurdität der jetzigen Verhältnisse wird doch daran deutlich, dass zum Beispiel der deutschen Mannschaft vorgeworfen wurde, sie habe sich nicht auf den Schiedsrichter eingestellt! Eine Mannschaft sollte sich NIEMALS auf einen bestimmten Schiedsrichter einstellen müssen. Diese Diskussion ist eine Bankrotterklärung für die von der FIFA zu verantwortende Spielführung bei dieser WM.

So, in 5 Minuten beginnt die erste Partie des dritten Spieltags – jetzt geht es richtig los! Ich hoffe, nach den nun folgenden Spielen wird wieder mehr über die Mannschaften gesprochen werden und weniger über die Schiedsrichter – hoffen darf man ja! (Und es ist immer noch eine begründetere Hoffnung als die auf den Weltfrieden, eine ökologische Wende oder soziale Gerechtigkeit. Auch deswegen macht es mehr Spaß, über Fußball zu bloggen!)

Nachtrag: Bereits ab der 25. Minute ist Frankreich gegen Südafrika nur noch zu zehnt. So viel zu DER Hoffnung.

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Posted in: Sport