„So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“

Posted on Juli 12, 2010


Das obige Zitat stammt von Lukas Podolski nach der Halbfinalniederlage der deutschen Mannschaft gegen Italien bei der WM 2006, und es traf den Nagel (ob absichtlich oder unabsichtlich, das weiß ich nicht) absolut auf den Kopf! Es hätte auch nach unserem Spiel gegen Spanien dieses Jahr gestimmt, aber absolut perfekt passte es auf das Finale dieser WM zwischen den Niederlanden und Spanien.

Was war da nicht alles passiert! Beide Seiten vergeigten reihenweise Torchancen, und trotzdem stand es bis kurz vor Ende der Verlängerung 0:0. Das Schiedsrichterteam leistete sich eine krasse und höchst relevante Fehlentscheidung nach der nächsten – typisch für diese WM. Ebenso typisch, dass es wieder ein Festival an bunten Karten gab, und dass ein Team die Partie mit zehn Mann beendete – aber: Diesmal waren absolut alle Karten gerechtfertigt! (Eine gelbe hätte sogar eine rote sein müssen.) Dieses Match, und im Vergleich dazu die völlig harmlose Partie Deutschland-Serbien, das wäre doch einmal hervorragendes Anschauungsmaterial für eine Schiedsrichterfortbildung zum Thema „wann muss ein Schiedsrichter Fouls mit Karten bestrafen und wann nicht“.

Außerdem war dieses Spiel ein weiteres überzeugendes Plädoyer für den Videobeweis, und zwar deswegen, weil die Leistung des Schiedsrichterteams abgesehen von den zahlreichen falsch gefällten Tatsachenentscheidungen eigentlich sehr gut war! Die eigentliche SpielLEITUNG und die Bewertung der Vorfälle hatte das Team gut im Griff (und Robben hat auch nicht Gelb-Rot dafür gesehen, dass er nach einem abgepfiffenen Angriff den Ball noch ins Tor gestupst hat). Mit Zugriff auf Fernsehbilder wäre dies eine erstklassige Leistung gewesen. Wer immer noch nicht begriffen hat, worin der Unterschied zwischen Schiedsrichtern und biologischen Lichtschranken liegt, der sollte sich diese Partie noch einmal in Ruhe ansehen.

Die Fehlentscheidungen haben übrigens beide Mannschaften betroffen, aber die Niederländer haben insgesamt stärker profitiert, denn sie hätten bereits ab der 28. Minute zu zehnt sein müssen, als De Jong einem gerade Kopfball spielenden Spanier mit gestrecktem Bein in die Brust sprang, und außerdem hätte es in der 92. Minute Elfmeter für Spanien geben müssen. Deswegen haben sie kein Recht sich zu beklagen: Die insgesamt deutlich bessere Mannschaft hat gewonnen, und übrigens auch die deutlich fairere. Auch, wenn sich die Spanier irgendwann von der Brutalität der Niederländer ein wenig anstecken ließen: In der ersten Halbzeit hatten die Oranjes den iberischen Spielfluss nur dadurch unterbunden, dass sie ihre Gegner schlicht und einfach zusammentraten. Der schlechte Ruf, der Uruguay immer begleitet – die Niederländer hätten ihn sich diesmal verdient.

Zwischendurch wurde auch ein wenig Fußball gespielt, und im Gegensatz zum Kommentator bin ich der Ansicht, dass dieses Spiel über weite Strecken absolut den Ansprüchen eines WM-Finales gerecht wurde! Beide Seiten zeigten tolle Angriffe, und die Spanier kombinierten im Mittelfeld flüssig, gefällig und zeitweise brilliant (bis sie meistens von einem Foul gestoppt wurden). Bester Spieler der Partie war für mich übrigens Arien Robben, der sich eigentlich ein Tor verdient hätte, wenn seine Mannschaft sich nicht keines verdient hätte. Was ist der Mann gerannt! Die bessere Mannschaftsleistung zeigte aber wieder einmal Spanien, und so wissen wir jetzt, dass wir gegen den späteren Weltmeister ausgeschieden sind. Nach dem EM-Titel nun der WM-Titel – das nennt man wohl eine goldene Generation!

Einige andere Entscheidungen sind auch gefallen: Thomas Müller ist Torschützenkönig! Damit ist über den Mann, für den nach Vorstellung von Uli Hoeneß die WM noch zu früh kam, wohl alles gesagt. Unvermeidlicherweise ist er auch der beste Nachwuchsspieler der WM geworden. Zum besten Spieler wurde der Uruguayer Diego Forlan gekürt, und nach den Leistungen, die ich von ihm gesehen habe, auch nicht unverdient. Ich bin zwar absolut der Ansicht, dass Bastian Schweinsteiger dieser Titel hätte zugesprochen werden müssen, aber nachdem bereits die beiden anderen Preise an einen deutschen Spieler gingen, war unser Ex-Schweini hier wohl aus dem Rennen.

Und wir haben wieder einmal den dritten Platz erreicht. Irgendwelche Idioten fordern jetzt doch tatsächlich die Ablöse von Löw, weil er kein „Sieger-Gen“ hätte… Der Sieg gegen ein hervorragend mitspielendes Uruguay war jedenfalls knapp verdient – vielleicht wäre ein Unentschieden leistungsgerechter gewesen, aber wer will im Spiel um den dritten Platz schon in die Verlängerung? Übrigens war der Lattenknaller von Forlan direkt vor dem Schlusspfiff nur wenige Zentimeter von Butts Fingern entfernt gewesen. Da war kein Platz mehr zwischen Torhüter und Latte für einen Fußball. Allerdings ist es vorstellbar, dass die Kraft in Butts Fingerspitzen nicht ausgereicht hätten, diesen Schuss entscheidend abzulenken, doch dazu hätte der Ball schon sehr knapp unter der Latte einschlagen müssen.

Wie auch immer, der komische Krake hat es alles gewusst – alle Spielausgänge der deutschen Mannschaft korrekt vorhergesagt und auch noch das Finale richtig getippt. Das entspricht acht richtig vorhergesagten Münzwürfen in Folge – ein Zweihundertsechsundfünfzigstel Chance! Beeindruckend, aber bei nüchterner Analyse kein Grund, Mollusken parapsychologische Fähigkeiten zu unterstellen.

Und nun ist das Ganze vorüber. Die Niederländer können jetzt Bayer Leverkusen das Copyright zum „ewigen Zweiten“ abkaufen, mit Spanien gibt es eine weitere große Fußballnation, und im Herbst beginnt für Deutschland gegen Belgien die EM-Qualifikation. Mit Löw oder ohne? Sobald es dazu eine Antwort gibt, hat diese WM für uns deutsche Fußballfans ein endgültiges Ende gefunden.

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Posted in: Sport